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O+P Fluidtechnik 1-2/2017

O+P Fluidtechnik 1-2/2017

HYDRAULIKZYLINDER OHNE

HYDRAULIKZYLINDER OHNE HARTVERCHROMUNG? Galvaniken benötigen Chromtrioxid, also Chrom(VI), um Kolbenstangen mit Hartchrom zu beschichten. Es darf in der EU ab dem 29. September 2017 nicht mehr verwendet werden, es sei denn, die EU-Kommission erteilt für bestimmte Verwendungen eine Zulassung. Welche Bedeutung hat dies für die Fluidtechnik? POSITIVE EIGENSCHAFTEN VON HARTCHROM- BESCHICHTUNGEN Hartchrombeschichtungen vereinen eine Kombination von vielen positiven Eigenschaften, zum Beispiel einen hohen Verschleiß- und Korrosionswiderstand – und das zu akzeptablen Kosten. Hydraulikzylinder-Hersteller setzen sie deshalb bis auf Sonderfälle flächendeckend ein. Bei Pneumatikzylindern werden sie auch häufig verwendet. Da Hartchrombeschichtungen frei von Chrom(VI) sind, unterliegen sie nicht dem Zulassungsverfahren. KONSEQUENZ FÜR DIE ZYLINDERHERSTELLER Wenn Chrom(VI) nicht mehr in der EU zulässig ist, sind die Zylinderhersteller gezwungen, auf andere Verfahren umzusteigen oder die Hartverchromung ins außereuropäische Ausland zu verlagern. ALTERNATIVVERFAHREN Hersteller von Alternativverfahren haben bei der öffentlichen Konsultation der ECHA darauf hingewiesen, dass sie Hartchrombeschichtungen ersetzen können. Dies ist aber zurzeit nicht in der Breite und den Stückzahlen der vorhandenen Anwendungen – und unter Berücksichtigung der mit einer Umstellung auf andere Verfahren erhöhten Kosten – darstellbar. ECHA EMPFIEHLT SIEBEN JAHRE FRISTVERLÄNGERUNG Die verantwortlichen ECHA-Komitees haben die sicherheitstechnischen und die sozioökonomischen Folgen eines Verbots beurteilt. Auf dieser Basis hat die ECHA der EU-Kommission empfohlen, dass Chrom(VI) zwar weiterverwendet werden darf, allerdings mit einem Überprüfungsraum von nur sieben Jahren für die Hartverchromung. Eine endgültige Entscheidung zu dem CTAC-Antrag wird im Februar oder März 2017 erwartet. GALVANIKEN BEANTRAGEN BIS ZU 25 JAHREN FRISTVERLÄNGERUNG Der Formulierer Hapoc hat stellvertretend für VECCO, ein Zusammenschluss von fast 200 Galvaniken, Fristverlängerungen beantragt, die von Dauer und Höhe der Exposition abhängen. Für das geringste Risiko wurde eine Fristverlängerung von 25 Jahren beantragt. Informationen darüber, wie hierüber entschieden wird, liegen noch nicht vor. MENSCHEN UND MÄRKTE CTAC BEANTRAGT ZWÖLF JAHRE FIRSTVERLÄNGERUNG CTAC (Chromium Trioxide Authorization Consortium), ein Europäisches Konsortium von Importeuren und Formulierern (Herstelller der galvanischen Bäder), hat bei der EU-Chemikalienagentur ECHA (European Chemicals Agency) Fristverlängerungen für verschiedene Verwendungen beantragt, darunter zwölf Jahre für die funktionale Hartverchromung. Wenn der sogenannte Upstream- Antrag genehmigt wird, können alle nachgeschalteten Anwender, das heißt auch alle Galvaniken, die von diesen beliefert werden, Chrom(VI) weiterverwenden. Autor: Jörn Dürer, Fachverband Fluidtechnik im VDMA, Technik und Normung, Frankfurt am Main VDMA UNTERSTÜTZT DIE FRISTVERLÄNGERUNG Der VDMA hat die Anträge unterstützt und steht wegen der Relevanz der Hartverchromung für weite Bereiche des Maschinenbaus auch weiterhin in engem Austausch mit den Antragstellern und den betroffenen nachgeschalteten Industrien. GESETZLICHER HINTERGRUND Chrom(VI) wurde in Anhang XIV (besonders besorgniserregende Stoffe – SVHC, Substances of very high concern) der Europäischen Chemikalienverordnung (REACH) aufgenommen, weil es krebserzeugend und fortpflanzungsgefährdend ist. Es darf ab dem 29. September 2017 nur noch für autorisierte Verwendungen eingesetzt werden. www.fluid.vdma.org 14 O+P Fluidtechnik 1-2/2017

UMFRAGE „WIE KOMMENTIEREN SIE ALS HERSTELLER DIE AKTUELLE SITUATION?“ Ein Großteil unserer Kolbenstangen ist hartverchromt. Der technologische Vorteil ist Leckagefreiheit, geringer Verschleiß und Energieeffizienz. Hänchen führt seit Jahren Versuche durch, die die Eigenschaften der Chromschicht mit alternativen Beschichtungen vergleicht. Die Oberflächen alternativer Beschichtungsverfahren weisen je nach Anwendung verschiedene technologische Nachteile auf. Beispielsweise zeigt die Dichtungslauffläche ungünstigere Strukturen, wodurch der Dichtungsverschleiß höher ist. Deshalb sind häufig höhere Leckagen zu beobachten, was sich negativ auf Umwelt und Betriebssicherheit auswirkt. Die Reibwerte liegen meist höher und verursachen im Betrieb unnötige Energieverluste. Daher ist der Einsatz anderer Beschichtungen anwendungsabhängig zu überprüfen. Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, ist der Einsatz verchromter Stangen technologisch und wirtschaftlich unübertroffen. www.haenchen.de Dipl.-Ing. Klaus Wagner, Bereichsleiter Entwicklung, Herbert Hänchen GmbH & Co. KG Wir als Hydraulikzylinderhersteller können auf die Verchromung nicht verzichten, da unter anderem anstelle von hochlegierten Stählen auch ein einfacher Stahl verwendet werden kann, wenn dieser auch den mechanischen und physikalischen Anforderungen des Bauteils entspricht. Wir setzen zwar zu 70 % alternative Beschichtungen ein, allerdings gibt es Anwendungsfälle und Einsatzgebiete, bei denen die Verchromung auch aufgrund des Preises nicht ersetzt werden kann und wir dadurch Wettbewerbsnachteile erleiden würden. Ein Hartverchromungsverfahren im außereuropäischen Ausland würde enorme preisliche Nachteile bringen und die Risiken bei den Qualitätssicherungsmaßnahmen sind auch nicht nachvollziehbar. Wir unterstützen somit die Forderung, dass eine Fristverlängerung für das Verchromen über den 29. September 2017 hinaus möglich ist. Parker Hannifin hat für seine Hydraulikzylinder eine neue, chromfreie Kolbenstangenbeschichtung entwickelt. Mit Global Shield TM wird der Einsatz von Chrom sowohl im Endprodukt als auch während des Herstellungsprozess vermieden. Ebenso können die Gefahren im Umgang und bei der Entsorgung, insbesondere von Chromtrioxid, ausgeschlossen werden. Parkers Global Shield TM Lösungen übertreffen die Korrosionsbeständigkeit von Beschichtungen mit Chrom, Nickel-Chrom und Nitrierungen deutlich; zudem erhöht die Beschichtungsoberfläche die Lebensdauer der Dichtungen. Im Fall einer weiteren Verschärfung der Vorschriften hinsichtlich Chromtrioxid, beispielsweise eine globale Einschränkung bei Herstellung und Verarbeitung, ist Parker dank seiner neu entwickelten Global Shield TM Beschichtungen optimal aufgestellt. www.parker.com www.hunger-hydraulik.de Lic. oec. (HSG) Ingrid Hunger, Geschäftsführerin der Walter Hunger GmbH & Co. KG Dipl.-Ing. Martin Kaufmann, Product Manager Europe, Cylinders and Oildyne Products, Parker Hannifin O+P Fluidtechnik 1-2/2017 15

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