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O+P Fluidtechnik 10/2016

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O+P Fluidtechnik 10/2016

MENSCHEN UND MÄRKTE

MENSCHEN UND MÄRKTE Komponenten- und Maschinenhersteller sowie Betreiber wider. Die Sonderveranstaltung „Predictive Maintenance 4.0“ auf der diesjährigen Hannover Messe, unterstützt von zehn Firmen, die mittels entsprechender Exponante individuelle Lösungen demonstrierten, stieß auf hohes Interesse bei den Besuchern. Auf der Hannover Messe 2017 wird es erneut eine Sonderausstellung über das Thema „Predictive Maintenance“ geben – erste diesbezügliche Gespräch wurden bereits mit den Firmen und der Deutsche Messe AG geführt. Selbstverständlich wird das Thema im MDA-Forum den Schwerpunkt bilden. Es zeigt sich, dass wir als Fluid- und Antriebstechnik-Branche mit dem Aufgreifen des Themas „Predictive Maintenance“ im Umfeld von I4.0 und dem Motto der Messe „Integrated Industry – Discover Solutions“ einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Prof. S. Helduser: Die Themen Datensicherheit, Eigentumsrechte an Daten und Security (Schutz der Maschine vor unbefugtem Zugriff über eine elektronische Schnittstelle) werden zunehmend in den Fokus der Entwicklungen und Anwendungen von CM und Diagnosesystemen treten. Sie müssen mitbetrachtet werden, insbesondere wenn man die Daten nicht nur lokal speichert und auswertet, sondern über das Internet kommuniziert. Es könnte sonst plötzlich eine fremde Instanthaltungsfirma mit „meinen Daten“ dem Kunden Wettbewerbsangebote machen. Wie bewerten Sie diese Thematik? Dr. J. Bredau: Dies sind Themen, die auch im Rahmen von I4.0 zentrale Bedeutung haben. Allerdings stehen Datendiebstahl und Security im Moment bei vielen noch nicht so im Mittelpunkt der Arbeit – sind aber extrem wichtig. Das muss man unbedingt in Zukunft mitbetrachten, wenn Big Data und Vernetzung eine noch größere Rolle spielen als heute, wenn Rechennetz und Fabriknetz mehr und mehr zusammenwachsen. Dr. T. Torikka: Bei jedem Cloud-System ist Datensicherheit ein wichtiges Thema. Man muss auf dem aktuellen Stand bleiben und an jeder Stelle, wo Daten sind oder übertragen werden, dafür sorgen, dass alles sicher ist. Außerdem sollte man über Strategien verfügen, die sicherstellen, dass jemand, der sich ohne Genehmigung Zugang zu den Daten verschafft, nichts mit ihnen anfangen kann. F. Fritz: Da stimme ich zu. Die Sicherheitsproblematik ist extrem wichtig. Aber ich glaube, man sollte sich durch die potentiellen Risiken jetzt nicht in seinem Tun ausbremsen lassen. Wir sind hier noch im Anfangsstadium, es gibt zum Teil noch technische Hürden. Doch lassen Sie uns erst einmal das Bewusstsein für die Chancen der neuen Technik schaffen. P.-M. Synek: Eine Auswirkung der industriellen Umsetzung von Industrie 4.0 wird sein, dass klassische Geschäftsmodelle infolge der Digitalisierung in der bekannten Form nicht mehr geben wird. I4.0 hat zur Folge, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Hersteller noch stärker intensivieren wird. Produktinformationen und Dienstleistungen bzw. Services, beispielsweise Condition Monitoring, Teleservice aber auch Verfügbarkeit von Ersatzteilen, werden digitalisiert, lassen somit eine direkte Kommunikation und einen Datenaustausch unter den beteiligten Partnern zu, und führen zu neuen Geschäftsmodellen.

110. O+P-GESPRÄCHE Meine Herren, unsere interessante, lebhafte Diskussion hat gezeigt: Condition Monitoring und Predictive Maintenance beginnen im Umfeld der Strategie „Industrie 4.0“ schnell an Bedeutung und technischer Machbarkeit zu gewinnen. Wartung und Instandhaltung werden sich in den nächsten Jahren verändern. Die Fluidtechniker haben entdeckt, dass in den Systemen auch ohne zusätzliche Sensoren umfangreiche Daten vorhanden sind, deren Auswertung wertvolle Informationen über den Zustand einer Maschine oder Anlagen liefert. Die lokale Elektronik in den fluidtechnischen Geräten liefert die Basis für eine kostengünstige Auswertung der Daten und eine Schnittstelle für die Weiterleitung von vorverarbeiteten Daten und Informationen an die Maschinensteuerung oder andere parallele Rechner; denn eine komplette Maschinendiagnose in einem fluidtechnischen Subsystem erscheint unrealistisch. Ein großes Hindernis für prädiktive Instandhaltung in der Fluidtechnik ist das Fehlen praxisgerechter Lebensdauer­ Vorhersagemodelle. Ob sich hier Modelle, die auf den physikalischen Grundlagen beruhen, oder rein mathematische Vorhersagemodelle aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz durchsetzen werden, bleibt derzeit noch offen. Wahrscheinlich erscheint eine Kombination aus beiden Methoden, da zahlreiche Verschleißvorgänge bisher kaum hinreichend genau durch physikbasierte Modelle mathematisch zu beschreiben sind. Mit dem Erfolg intelligenter analytischer Datenauswertung könnte auch der Erfolg von IT-Firmen verbunden sein, die datenbasierte Services zur Analyse des Gesamtzustands einer Maschine oder Anlage über cloudbasierte Plattformen anbieten. Die Fluidtechnikfirmen werden diese Aktivitäten sorgfältig beobachten müssen und nach Möglichkeit für sich nutzen. Noch steckt auf dem Gebiet der datenbasierten Services vieles in den Kinderschuhen, aber es lohnt, sich in Position zu bringen. Im Namen der O+P-Redaktion danke ich Ihnen herzlich für die Teilnahme an den 110. O+P-Gesprächen. ■ EIN GROSSES HINDERNIS FÜR PRÄDIKTIVE INSTANDHALTUNG IN DER FLUIDTECHNIK IST DAS FEHLEN PRAXISGERECHTER LEBENSDAUER- VORHERSAGEMODELLE Prof. Dr.-Ing. Siegfried Helduser, Technisch-Wissenschaftlicher Beirat von O+P Fluidtechnik und Moderator der O+P-Gespräche 110. O+P-GESPRÄCHE: TEIL 1 Unter diesem Link können Sie den ersten Teil unserer Diskussion zu Predictive Maintenance in der Fluidtechnik lesen: bit.ly/OUP0916p32 Prof. Dr.-Ing. Siegfried Helduser O+P Fluidtechnik 10/2016 27

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