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O+P Fluidtechnik 11-12/2017

O+P Fluidtechnik 11-12/2017

ANTRIEB IST FORTSCHRITT

ANTRIEB IST FORTSCHRITT Nach 25-jähriger Industrietätigkeit gründete Dr.-Ing. Bernward Welschof 2017 in Großostheim das ibw Ingenieurbüro Welschof. Das Motto der Unternehmung lautet: „Antrieb ist fortSchritt“ – damit wird deutlich, wo er Schwerpunkte setzt. Herr Dr. Welschof, für diejenigen, die Sie nicht kennen: bitte stellen Sie sich kurz vor. Wie sind zu Ihrer aktuellen Position gekommen? Nach dem Abitur und dem Wehrdienst nahm ich mein Maschinenbaustudium in Aachen auf. Die Vertiefung führte mich in die Regelungstechnik, Pneumatik und Hydraulik – aus heutiger Sicht: in die Antriebstechnik. Im Anschluss an mein Studium habe ich am Institut für hydraulische und pneumatische Antriebe und Steuerungen der RWTH Aachen bei Professor Wolfgang Backé promoviert. Das Thema ermöglichte ein Pkw-Hersteller; es ging um Nebenaggregatantriebe und deren Geräusche. In der sich anschließenden Industrietätigkeit bin ich über Komponenten- und System- bis hin zur Gesamtfahrzeugentwicklung tätig gewesen. Bei Antrieben für Maschinen für Claas, Liebherr, Steyr-Case, Tigercat, WeyCor und TadanoFaun durfte ich mitwirken. Insbesondere für hydraulisch wie elektrisch betriebene Gabelstapler der Marken Still und Linde konnte ich mit Herzblut arbeiten. Man kann sagen: vom Joystick bis zur Felge. MENSCHEN UND MÄRKTE Was war in Ihrem bisherigen Berufsleben die größte Veränderung? Wie haben Sie Ihr Ingenieurbüro aufgestellt? Die Frage meines Doktorvaters „Übernehmen Sie das Industrieprojekt Geräuschminderung im Kraftfahrzeug?“ war für den frisch gebackenen Hochschulabsolventen nicht gleich überschaubar. „Wollen Sie die Linde-Versuchsabteilung leiten?“, lässt sich auch nicht im stillen Kämmerlein ausprobieren. Für die „Übernahme der Projektleitung des neuen Langsamläufer-Staplerantriebes“ gab es keine Blaupause. Und die Übernahme der „Entwicklungsleitung für einen Mobilkran“ bedeutete Standort- und Kulturwechsel. Spontan gesagt: alle Veränderungen im Berufsleben waren jeweils gleich groß, gemessen am Grad des Ungewissen. Wenn man weiß, was man weiß und darüber hinaus sich selbst – und vielleicht auch dem Gegenüber – zugesteht, zu ahnen, was man nicht weiß, dann fährt man doch recht gut. Immer war der nächste Schritt verbunden sowohl mit Wissensvertiefung als auch mit Wissensverbreiterung. Es ging einher mit Verknüpfungen vieler Menschen, Organisationen und Unternehmungen. Bei der Entscheidung für die Gründung des ibw Ingenieurbüros Welschof ist es ähnlich. Gelingt es mir, z. B. einem Komponentenfachmann respektvoll und kompetent entgegenzutreten? Kann ich dem Systemverantwortlichen mit der nötigen Anwendungsbreite 8 O+P Fluidtechnik 4/2017

„Man sieht sich im Leben immer zweimal und so soll man sich verhalten.“ Dr.-Ing. Bernward Welschof begegnen? Bringe ich genügend Erfahrung mit, die Fahrzeugentwicklung mit der zeitlichen, markttechnischen und produktseitigen Einschätzung zu unterstützen? Ein alter Spruch gilt halt immer noch: man sieht sich im Leben immer zweimal und so soll man sich verhalten. Was lehrt uns die Hydraulik für mobile Antriebsmaschinen? Was ist das Faszinierende? Hier möchte ich mit zwei Stichworten ein paar Bilder schaffen: Durchgängigkeit und Grenzüberschreitung. Mit Durchgängigkeit meine ich die Möglichkeit, sich über verschiedene Wege – sei es mit einer Lehre, Technikerausbildung, Studium oder der Vertiefung mit einer Promotion – in der hydraulischen Antriebstechnik zu entwickeln. Ohne zu übertreiben, in kaum einer Technik geht es so bunt gewürfelt zu wie in der Hydraulik. Lassen sich einerseits einige Aspekte der Hydraulik nur mit hochtheoretischen Ansätzen erklären, so sind viele Fragen eben auch einfach als „Guckprobleme“ am Fahrzeug zu beantworten. Und damit bin ich bei der Grenzüberschreitung. Vielerorts haben wir noch die Ausbildungen, Hochschulen, Firmenorganisationen und Zulieferketten sortiert nach Fachgebieten: Mechaniker hier, Verbrennungsmotorenleute dort, Elektroniker woanders, Hydrauliker, E-Maschinenund Getriebefachleute schön getrennt, und ganz zum Schluss kommt noch der Akustiker– ein reiner Schnittstellensalat. Diese tayloristische Aufgabenteilung funktioniert nur solange und dann auch nur halbwegs, wie die Systemintegration offensichtlich noch nicht wirklich gebraucht wird. Wenn da nicht das Fahrzeug wäre. Dort werden Lösungen verlangt, die eine klassische Fakultät alleine nicht mehr imstande ist zu leisten. Die Fahrzeugsystemtechnik lehrt uns, diese Grenzen zum Wohle des Fahrzeugantriebes zu überschreiten – Antrieb ist fortSchritt. Nach dem verlorenen Jahrzehnt, in dem sich die Hersteller von mobilen Arbeitsmaschinen mit all ihren Ressourcen mit den Verbrennungsmotorregularien herumschlugen, steht wieder eindeutig die Innovation ganz oben auf der Agenda. Was stellen wir auf der nächsten Messe aus? Was dient dem Kundennutzen? Denn der Stand der Technik bleibt nicht stehen – er ist gewissermaßen die Lebensversicherung einer Gesellschaft, eines Unternehmens, unserer Branche. bw.welschof@t-online.de O+P O+P Fluidtechnik 11-12/2017 4/2017 9

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