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O+P Fluidtechnik 3/2016

O+P Fluidtechnik 3/2016

KHU –

KHU – HYDRAULIKAUSBILDUNG AM „LEBENDEN“ OBJEKT MENSCHEN UND MÄRKTE Im süddeutschen Raum sind zahlreiche Hersteller leistungsstarker stationärer – und mobiler Maschinen sowie ihre Zulieferer angesiedelt, die als Kernkompetenz die Hydraulik gemeinsam haben. Der Schlüssel zur zukünftigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist gut ausgebildetes Fachpersonal, mit fundiertem Hydraulik-Know-how. Eine praxisnahe Hydraulikausbildung hat in Ulm längere Tradition. Sie begann bereits mit Prof. Gerhard Bauer, der seit 1967 die Ölhydraulik an der damaligen staatlichen Ingenieurschule Ulm lehrte, aus der 1972 die Fachhochschule Ulm, die heutige Hochschule Ulm, hervorging. Hier wird die regionale Hydraulik-ausbildung mit dem Aufbau eines Kompetenzzentrums nun mit besonderem Fokus weiterbetrieben. 2012 haben sich zunächst 13 Unternehmen und die IHK Ulm zusammengeschlossen und das Kompetenzzentrum Hydraulik Ulm (KHU) mit der Absicht gegründet, den Ausbau der Hydraulikkompetenz in der Region sowie die Deckung des zukünftigen Fachkräftebedarfs voranzutreiben. Initiator der Gründung ist ein erfahrener Mittelständler: der Ehinger Manfred Tries, in dessen Unternehmen seit mittlerweile 50 Jahren Hydraulikelemente hergestellt werden. Der Kreis der Stiftungsunternehmen ist in der Zwischenzeit auf 17 Unternehmen angewachsen, welche das KHU über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 1,5 Millionen Euro fördern. Mit dem Stiftungskapital werden an der Hochschule Ulm eine Hydraulik-Stiftungsprofessur, zwei akademische Mitarbeiter sowie Lehrmittel und wissenschaftliche Geräte finanziert. Den Ruf auf die Stiftungsprofessur für Hydraulik hat im November 2014 Prof. Dr.-Ing. Mathias Niebergall angenommen, der seitdem das KHU leitet. Dr. Niebergall studierte nach einer gewerblichen Feinmechaniker-Ausbildung Maschinenbau an der Universität Kassel und promovierte 12 O+P – Ölhydraulik und Pneumatik 3/2016

AUSBILDUNG GRUNDLAGENMODULE Bei der Hydraulikausbildung an der Hochschule Ulm wird der Stiftungsprofessor unterstützt durch Prof. Dr. Josef Kurfess, Prof. Dr. Wolfgang Schulz und Prof. Dr. Peter Renze. Die Hydraulikausbildung gliedert sich in folgende Grundlagenmodule: 1. Ölhydraulik 2. Mobilhydraulik 3. Druckflüssigkeiten und Dichtungen 4. Simulation hydraulischer Systeme 5. Elektronik und spezielle Hydrauliksysteme PRAXISNAH UND ARBEITNEHMERFREUNDLICH Das Ulmer Lehrangebot wird durch sehr engagierte Stiftungsunternehmen bereichert, die die Hydraulikausbildung durch praxisorientierte Vorlesungsbeiträge und Exkursionsangebote abwechslungsreich und attraktiv mit gestalten. Neben den regulär eingeschriebenen Studierenden haben übrigens auch externe Hydraulikinteressierte, die bereits im Beruf stehen, eine Zugangsmöglichkeit zu den Lehrveranstaltungen. Die Vorlesungen finden in der Regel in den Abend stunden statt und können auch live als Webinar über das Internet zugänglich gemacht werden. Die erfolgreiche Absolvierung aller fünf Grundlagenmodule kann mit einem Zertifikat zum Hydraulikfachingenieur beziehungs weise bei Teilnahme an den ersten drei Modulen mit einem Zertifikat zur Hydraulikfachkraft abgeschlossen werden. Schon jetzt zeigt sich, dass der Zuspruch für die Hydraulik bemerkenswert groß ist: Im letzten Wintersemester wurden die fünf Hydraulik-Ausbildungsmodule insgesamt 170 Mal belegt. dort bei Prof. Dr. Hubert Hahn im Bereich der Systemdynamik. Von 1996 an war Dr. Niebergall bei der Robert Bosch GmbH tätig, zunächst 4 Jahre in der Entwicklung von Magnetventilen für hydraulische Pkw-Getriebesteuerungen und in der Folge am Aufbau eines Simulationsteams für hydraulische und elektromagnetische Steuerungen. 2004 wechselte er in den Bereich mobilhydraulische Antriebe und Steuerungen von Bosch-Rexroth, wo er in entwicklungsnahen Stabsfunktionen tätig war. www.hs-ulm.de/Hydraulik Die Stiftungsunternehmen auf einen Blick WISSEN SCHAFFEN Die Ausrichtung der angewandten Forschung erfolgt gemeinsam mit den Stiftungsfirmen mit zunächst folgenden Schwerpunkten: n Wirkmechanismen / Dynamik hydraulischer Antriebs- und Steuerungstechnik n Analytik und Diagnose in der Hydraulik mit Fokus Fluidzustand n Strömungssimulation / Mehrphasenströmung Hierzu steht an der Hochschule Ulm eine moderne Geräteaus stattung zur Verfügung: n Hydraulikprüfstand für Pumpen und Hydromotoren (Foto) n Hydraulikprüfstand für Ventiltechnik n Prüfeinrichtung für Fluide und Fluidsensoren. Abgerundet wird die experimentelle Infrastruktur durch technisch-wissenschaftliche Software für professionelle mathematisch-physikalische Modellbildung und Computersimulation. Das Kompetenzzentrum Hydraulik Ulm ist ein klassisches Beispiel der erfolgreichen Kooperation von Industrieunternehmen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ulm. 13 O+P – Ölhydraulik und Pneumatik 3/2016

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