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O+P Fluidtechnik 3/2017

O+P Fluidtechnik 3/2017

PNEUMATIK BLEIBT IM

PNEUMATIK BLEIBT IM AUFWIND Dr. Peter Saffe ist Vice President Strategic Sales des Pneumatikspezialisten AVENTICS. Für ihn steht die Zukunftssicherheit der Technologie außer Frage – gerade hinsichtlich der künftigen Anforderungen in Sachen Industrie 4.0. Seine Begeisterung für die Fluidtechnik entdeckte er schon früh. MENSCHEN UND MÄRKTE Herr Dr. Saffe, für diejenigen, die Sie nicht kennen: Bitte stellen Sie sich kurz vor. Wie sind zu Ihrer aktuellen Position gekommen? Was fasziniert Sie an der Pneumatik? Meine ersten Kontakte zur Fluidtechnik hatte ich schon während meines Studiums im Jahr 1977 als Werkstudent bei einem Unternehmen, das sich mit Meerestechnik beschäftigte. Dort haben wir zahlreiche hydraulische Antriebe über und unter Wasser eingesetzt, das hat mich sofort begeistert. Damals war ich aktiv im Tauchsport und damit schon irgendwie mit Druckluft in Verbindung. Später bekam ich dann im Studium an der RWTH Aachen Kontakt zum Institut für hydraulische und pneumatische Antriebe, dem heutigen IFAS. Dann nahm alles seinen Gang über die Stationen wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotion und die Zeit als Oberingenieur am Institut. Heute bin ich mit dem IFAS immer noch über den Beirat des Fördervereins und das Internationale Fluidtechnische Kolloquium verbunden. Den Weg in die Industrie fand ich dann bei der Mannesmann Tochter Rexroth Pneumatik. Dort bin ich geblieben, habe mehrere internationale technische und vertriebliche Aufgaben inne gehabt und bin jetzt wieder in einer zentralen Vertriebsfunktion. Auch dort gibt es immer noch Neues zu entdecken. Unser Unternehmen hat in den letzten Jahrzehnten eine bunte internationale Historie erlebt und wir agieren seit gut drei Jahren mit dem neuen Namen AVENTICS als Spezialist für Pneumatik sehr erfolgreich im Markt. Faszinierend sind für mich die enorme Vielfalt von Aufgaben, die man mit Druckluft (oder Unterdruck) lösen kann. Dazu kommen die eingebauten Vorteile wie die Sauberkeit des Mediums, die Einfachheit, die Kraftdichte und die Regelbarkeit, wenn es um Drücke und Kräfte geht. Auch die Kombination aus klassischem Maschinenbau mit elektronischer Ansteuerung hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder neue Möglichkeiten geschaffen, technische Aufgabenstellungen elegant zu lösen. Nicht zu vergessen ist auch die Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit unserer Produkte. Es ist keine Ausnahme, dass wir Ersatz für Geräte liefern, die schon seit 30 oder 40 Jahren im Einsatz waren. In unserem Unternehmen ist auch die Internationalität der Kunden und Anwendungen faszinierend, zum Beispiel wenn wir Produkte an eine Brauerei in der Karibik oder einen Kohlewagen der amerikanischen Bahn liefern. 8 O+P Fluidtechnik 4/2017

„Der Bedarf für Pneumatik wird durch neue Anwendungen und den steigenden Automatisierungsgrad auch im nächsten Jahrzehnt kontinuierlich wachsen.“ Dr. Peter Saffe Immer wieder wird das „Ende“ der Pneumatik vorhergesagt; warum irren diese Propheten so gewaltig? Was sind die größten Herausforderungen der Branche Fluidtechnik, damit sie zukunftsfähig bleibt? Die meisten Leser dieser Zeitschrift werden die langfristigen Statistiken kennen, die beweisen, dass sich die Fluidtechnik und hier insbesondere die Pneumatik in den letzten Jahrzehnten im Umsatz besser entwickelt haben als der Rest des Maschinenbaus. Die Ursachen sind hier ständig neue Anwendungen, die Erhöhung der Funktionen pro Maschine und der Trend zu mehr Regelfunktionen. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen und in 10 Jahren wird es noch mehr Pneumatik geben als heute. Natürlich steht die Pneumatik im Wettbewerb zu anderen Technologien. Wir merken auch, dass wir in einigen Anwendungsbereichen teilweise ersetzt werden, in anderen Bereichen wie der Bahntechnik erleben wir allerdings auch eine Renaissance der Drucklufttechnik aufgrund der oben genannten Vorteile. Auch neueste Untersuchungen zur Total Cost of Ownership attestieren der Pneumatik eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Insbesondere benötigt man zur Herstellung eines pneumatischen Antriebs erheblich weniger Ressourcen als zum Beispiel für einen elektrischen Antrieb. Hier muss natürlich das Schlagwort Industrie 4.0 oder Internet of Things genannt werden. Auch die Pneumatik wird sich dieser Herausforderung, die für sie eine gewaltige Chance ist, stellen. Und es gibt sehr gute Ansätze, wie die Anwenderfreundlichkeit pneumatischer Lösungen durch die Verbindung zum Internet noch weiter verbessert werden kann. Davon wird man sich auch auf der kommenden Hannover Messe auf unserem Stand überzeugen können. Darüber hinaus bleibt natürlich das Thema Energieeffizienz mitbestimmend. Hier werden wir mittlerweile auch von der Seite der Drucklufterzeugung gut unterstützt und es hat sich herumgesprochen, dass Pneumatik energieeffizient sein kann, wenn man sie richtig einsetzt. Neben den technischen Anforderungen wird es aber auch wichtig bleiben, junge Menschen für diese Technologie zu begeistern und entsprechend zu qualifizieren. Hier hat sich in den letzten Jahren erfreulicherweise einiges in die richtige Richtung entwickelt. www.aventics.com O+P Fluidtechnik 4/2017 3/2017 9

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