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O+P Fluidtechnik 4/2016

O+P Fluidtechnik 4/2016

RUBRIZIERUNGSEBENE I

RUBRIZIERUNGSEBENE I RUBRIZIERUNGSEBEBE 2 LOUNGE „HUNGER BLEIBT HUNGER“ Ingrid Hunger ist bereits seit über dreißig Jahren in der Geschäftsleitung der Hunger Hydraulik Gruppe tätig. Seit dem Tod ihres Vaters führt sie die Unternehmensgruppe mit ihren Brüdern in seinem Sinne weiter. O+P sprach mit ihr über Faszination, Herausforderungen und die Zukunft der Hydraulik. MENSCHEN UND MÄRKTE Frau Hunger, stellen Sie sich kurz vor. Wie sind Sie zu Ihrer Position bei Hunger Hydraulik gekommen? Was macht für Sie die Faszination der Hydraulik aus? Mein Vater, Walter Hunger, ist der Gründer unseres Unternehmens. Er war ein „Selfmademan“ mit Leib und Seele und legte großen Wert darauf, dass meine Geschwister und ich schon als Jugendliche im Unternehmen mithalfen. Noch während meiner Schulzeit am Gymnasium habe ich als Mädchen in unserem Unternehmen eine Maschinenschlosserlehre absolviert. Nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur Industriekauffrau sowie ein Wirtschaftsstudium an der Universität in St. Gallen. Nachdem ich im Anschluss daran zwei Jahre für Bosch in Berlin gearbeitet hatte, kehrte ich auf Wunsch meines Vaters in unser Unternehmen zurück und arbeite seitdem in der Geschäftsleitung unserer Unternehmensgruppe. Seit dem Tod meines Vaters bin ich geschäftsführende Mehrheitsgesellschafterin. Für mich bedeutet Hydraulik immer auch Größe und Kraft. Hunger Hydraulik baut vor allem Groß- und Sonderzylinder sowie komplette hydraulische Anlagen, die unter anderem auf Bohrschiffen, in Aluminiumgießereien oder Staudämmen zum Einsatz kommen oder eben überall dort, wo große Kräfte beherrscht werden müssen. Unsere Hydraulik-Zylinder und hydraulischen Anlagen müssen allen Umweltbedingungen standhalten und gleichzeitig riesige Kräfte aufbringen. Denken Sie nur an die nötige Kraft, um die Tore eines Staudammes zu öffnen. Das geht nur mit Hydraulik. Aber auch der hohe Qualitätsanspruch und das Know-how, das notwendig ist, um solche Produkte fertigen zu können – auch das macht die Hydraulik für mich zu etwas Besonderem.

RUBRIZIERUNGSEBEBE 2 I RUBRIZIERUNGSEBENE „Auch zukünftig werde ich das Unternehmen im Sinne meines Vaters weiterführen.“ Ingrid Hunger Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung in der Hydraulik? Nahezu jedes unserer unterschiedlichsten Projekte stellt eine große ingenieurtechnische Herausforderung dar. Auch die großen Zylinder, die bis zu 280 t wiegen, müssen auf den Zehntelmillimeter genau gefertigt und dann innerhalb der Firma transportiert, montiert und dann verladen werden. Wir haben es daher täglich mit außergewöhnliche Anforderungen zu tun, sei es bei den Abmessungen, dem Gewicht oder bei der Montage.Dies wiederum impliziert aus meiner Sicht auch eine der großen zukünftigen Herausforderungen der Hydraulikindustrie. Die hohe Präzision und Qualität, die wir gewährleisten müssen, verlangt nach hervorragenden und erfahrenen Mitarbeitern. Dabei geht es weniger um die Ingenieure als vielmehr um die Fachkräfte, die die Maschinen bedienen. Viele junge Leute wollen heute lieber studieren oder am Schreibtisch arbeiten als eine technische Ausbildung zu absolvieren. Es ist daher sehr schwierig, Fachkräfte zu finden, die über entsprechende Erfahrung verfügen und es ist auch nicht mehr so leicht wie früher, junge Mitarbeiter dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Was war für Sie die bedeutendste Veränderung in Ihrem Berufsleben? Das war der Tod meines Vaters im Jahr 2008. Natürlich hat er mich – soweit möglich – darauf vorbereitet, das Zepter zu übernehmen; aber dennoch ist es eine große Bürde. Mein Vater war ein Selfmademan und Erfinder par excellence. Die ganze Firma sowie Forschung war auf ihn zugeschnitten – er hatte über 200 Patente – und sein Tod hinterließ eine riesige Lücke. Inzwischen haben wir die Verantwortung und das Wissen auf mehrere Schultern verteilt. Dennoch soll unser Unternehmen in seinem Sinne als Familienunternehmen weitergeführt werden. Das habe ich ihm versprochen und das werde ich auch tun, solange ich die Kraft dazu habe. Hunger soll Hunger bleiben. www.hunger-hydraulik.de O+P – Ölhydraulik und Pneumatik 4/2016 9

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