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O+P Fluidtechnik 4/2019

O+P Fluidtechnik 4/2019

KONGRESS TREFFPUNKT DER

KONGRESS TREFFPUNKT DER VISIONÄRE UND REALISTEN MENSCHEN UND MÄRKTE Der “Hype-Cycle” rund um Industrie-4.0 hat seinen Zenit nun eventuell überschritten, doch Predictive Maintenance (PM) ist nach wie vor en vogue. Das hat der 4. VDMA-Kongress “Predictive Maintenance 4.0” bewiesen. Der Raum 1 im Frankfurter VDMA-Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben technischen PM-Enablern standen vor allem Plattformen und Ökosysteme im Mittelpunkt. Predictive Maintenance, die vorausschauende Wartung, ist ein wichtiger Baustein in der Umsetzung von Industrie 4.0. Predictive Maintenance soll die Maschinenverfügbarkeit erhöhen, ungeplante Stillstandzeiten eliminieren und somit die Betriebskosten niedrig halten. Doch nach wie vor sehen sich Maschinenbauer mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert, die es zu beantworten gilt. Welche Technologien werden benötigt? Wie kann aus Daten ein Mehrwert generiert werden? Und wie können zukunftsfähige Geschäftsmodelle aussehen? Der diesjährige Kongress gab in spannenden Praxisvorträgen – unterstützt von den VDMA-Fachverbänden Antriebstechnik und Fluidtechnik – Antworten auf aktuelle Fragen. „Die Welt braucht Visionäre und Realisten”, Zitat Peter-Michael Synek, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbands Fluidtechnik im VDMA und Hausherr des 4. VDMA-Kongress Predictive Maintenance 4.0. Diese Aussage fasst die Schwerpunkte der Veranstaltung recht gut zusammen. Der Programmausschuss hat einen abwechslungsreichen Mix aus bereits implementierten Anwendungsbeispielen, Vorträgen zur Monetarisierung von PM sowie Präsentationen, die einen Blick über den Tellerrand des Maschinenbaus erlaubten, zusammengestellt. Realistisches und Visionäres. PLATTFORMMARKT WIRD SICH KONSOLIDIEREN Als einen Vertreter beider Welten kann man sicherlich Frank Lubnau, CDO bei Robert Bosch und Keynote-Speaker des Kongresses, bezeichnen. Er gab in seinem Impulsvortrag detaillierte Einblicke in die Realität der Bosch-Produktion, in der sich das Unternehmen als Industrie-4.0- und PM-Anwender bewegt, aber wagte auch den Blick in die Zukunft und erläuterte Visionäres in Sachen Plattformökonomie und Geschäftsmodelle. Auch „Plattform” ist inzwischen nahe daran, sich zum Unwort zu entwickeln. Jeder entwickelt seine eigene Plattform, doch ob das dem Kundenwunsch entspricht? Frank Lubnau ist sich sicher: „Nicht jeder Zulieferer oder Maschinenhersteller sollte sein eigenes Ökosystem aufbauen. Ein Blick in den Consumerbereich zeigt: Apple und Android teilen sich den Mobil-Markt. Im B2B wird sich das Plattformangebot wahrscheinlich ähnlich entwickeln. Wichtig ist, dass die Hersteller interoperabel und kompatibel untereinander sind. Der Nutzer wird - genau wie im B2C - keine Vielzahl an Einzellösungen akzeptieren.” Lubnau hat zudem klare Vorstellungen davon, welche Attribute eine erfolgreiche Plattform aufweisen sollte. Denn es reicht nicht, nur vom Kundennutzen auszugehen. Es muss auch für Entwickler reizvoll sein, für diese Plattform zu entwickeln. Beteiligte Partner sollten ähnliche Interessen haben und sich vor allem zunächst auf die Generierung des Mehrwerts konzentrieren, bevor aufwändiges Vertragswerk aufgesetzt wird. Es braucht Mut und Vertrauen, so Lubnau weiter. Das gelte auch für Dienstleister, deren Angebot man nutzen sollte. Werkzeuge, die bereits am Markt vorhanden sind, sollte man nicht versuchen, selbst zu entwickeln. Damit verschwendet man wertvolle Ressourcen, die letztlich keinen Benefit generieren. REALISTISCHES AUS DER PRAXIS Bereits implementierte Beispiele aus dem Industriealltag präsentierten Festo und Bosch Rexroth. Der Automobilhersteller BMW hat zu Beginn des Jahres 2017 diverse Industrie-4.0-Projekte gestartet. Eines dieser Projekte wurde gemeinsam mit Festo realisiert. Konkret geht es um die Vermeidung von Ausfällen an servopneumatischen Schweißzangen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Predictive-Maintenance-Algorithmen implementiert, die Komponentenausfälle des Antriebssystems der Schweißzange vorhersagen. Das Projekt sah vor, dass die Software Festo Welding Gun Cloud Connector in den Anlagen-PC integriert wird. Das Programm sammelt die Diagnosedaten der Schweißzange und gibt sie an die Cloud weiter. Dort wird eine Instandhaltungsapplikation betrieben, die die Daten in einem browserbasierten Dashboard visualisiert und bewertet. Ähnlich gestaltet sich der Prozess der Bosch Rexroth Lösung Online Diagnostics Network (ODiN), jedoch mit dem Unterschied, 18 O+P Fluidtechnik 4/2019

KONGRESS dass hydraulische Komponenten in verschiedenen Anwendungen überwacht werden. Doch auch bei OdiN werden die Daten mittels eines Gateways in der ODiN Cloud gesammelt und visualisiert. Speziell ist der Machine Learning Prozess, der in das System integriert ist. Die Komponenten werden zunächst mittels eines Algorithmus über einen längeren Zeitraum eingelernt, bis Verhalten und Vorhersage im Einklang sind. Dieses Machine Learning Modell ist einer einfachen Grenzwertüberwachung überlegen, da es auch Extremzustände (solange sie zum erlernten Verhalten passen) toleriert. MENSCH BLEIBT SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG Eines ist den Predictive Maintenance Lösungen von Festo und Bosch Rexroth jedoch gemein: Von einer automatisierten vorausschauenden Wartung, die selbst die Daten sammelt, analysiert und vor allem Handlungsempfehlungen ausspricht, kann man bei den vorgestellten Praxisbeispielen noch nicht sprechen. In beiden Fällen muss nach wie vor jeweils ein Experte mit entsprechendem Domänenwissen einen Blick auf die Diagnosedaten werfen und entscheiden, ob es sich um eine Anomalie handelt und ob eine vorausschauende Wartung nötig ist. Mit zunehmenden Erfahrungswerten wird man sich der vollautomatisierten Wartung sicherlich annähern, doch aktuell gilt – auch im Falle von Predictive Maintenance: ohne den Mensch geht es (noch) nicht. Peter Becker, O+P Fluidtechnik www.maschinenbau-institut.de HYDRAULIK FÜR WELTMARKTFÜHRER UND ALLE AUF DEM WEG ZUR SPITZE. MÜNCHEN, 08.-14. APRIL 2019 HALLE A4 STAND 538 BESUCHEN SIE UNS! TRIES GmbH & Co. KG Hydraulik-Elemente · 89584 Ehingen · Röntgenstr. 10 · info@tries.de · www.tries.de

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