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O+P Fluidtechnik 5/2017

O+P Fluidtechnik 5/2017

FORSCHUNG UND

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG 60 JAHRE O+P – WISSEN, WAS WIRKLICH WICHTIG IST Autor: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Hubertus Murrenhoff, Leiter des Instituts für fluidtechnische Antriebe und Steuerungen der RWTH Aachen und Heraus geber der Fachzeitschrift O+P Fluidtechnik SPECIAL / 60 JAHRE O+P Es ist ein außergewöhnliches Jubiläum, das die Vereinigten Fachverlage in diesem Jahr begehen, und es zeigt eindrucksvoll auf, wie lange und nachhaltig die Fachzeitschrift O+P Fluidtechnik die Branche mit ihrer Berichterstattung prägt. Sie hat die Ölhydraulik und Pneumatik wie kein anderes Organ über die Jahrzehnte begleitet und hat ihr als offizielles Fachorgan des Forschungsfonds Fluidtechnik im VDMA seit seiner Gründung in der Mitte der 70er Jahre immer helfend und unterstützend zur Seite gestanden. Wenn man nunmehr 60 Jahre zurück blickt, so war der Verfasser knapp 4 Jahre alt, im Kindesalter und hatte noch keine Ahnung, einmal ebenfalls unserer Branche zu dienen. Der zweite Weltkrieg war gerade ein gutes Jahrzehnt vorüber und im Nachkriegsdeutschland war man mit Aufbauarbeiten beschäftigt. In den Vereinigten Staaten von Amerika sind zu dieser Zeit mit den Arbeiten von Blackburn, Reethof und Shearer, die in das Standardwerk „Fluid Power Control“ mündeten, wegweisende Arbeiten am MIT in Boston erfolgt, die den Grundstein der Möglichkeit zur Entwicklung der Ölhydraulik – wie wir sie heute kennen – gelegt haben. Dies war möglich, da man auf die Erkenntnisse aus der Militärforschung aufbauen konnte, welche zuvor noch nicht öffentlich zugänglich waren. Es versetzt uns in die Zeit, in der Seilzugbagger das Bild auf Baustellen prägten, und in der in der Industrie nach Lösungen zur Automatisierung anspruchsvoller Bearbeitungsaufgaben durch numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen mittels Servoantrieben mit geeigneten Regelungen gesucht wurden. Mein Vorgänger, Professor Wolfgang Backé, hat in dieser Zeit an seiner Dissertation auf diesem Gebiet am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen geforscht. Später hat er hierauf aufbauend die Venia Legendi mit der Habilitationsschrift über Strömungskräfte von Ventilschiebern erworben. Die Strömungskräfte zu verstehen war wichtig, um den Anforderungen nach Genauigkeit und Dynamik gerecht zu werden. Auch hier wurden die Grundlagen am MIT durch die zuvor genannten Forscher gelegt. AUFBRUCHSSTIMMUNG In der Industrie ging es ebenfalls stürmisch zu und es gab eine regelrechte Aufbruchsstimmung mit der Gründung vieler Unternehmen, die in veränderter Form auch heute vielfach noch am Markt tätig sind. Sehen Sie mir nach, wenn ich hier keine speziellen Namen nennen möchte, da ich dann bestimmt wichtige Player aus Platzgründen und mangels genauer Kenntnis auslassen würde, und ich so der damaligen Zeit nicht gerecht werden könnte. Die Unternehmen sind sowohl in der BRD als auch in der DDR entstanden mit Verschiebungen, die erst nach dem Fall der Mauer Ende der 80er Jahre in die heute bekannte Industrielandschaft mündeten. Es gab über viele Jahrzehnte bis in die heutige Zeit Wachstumsraten, die deutlich über denen des Maschinenbaus lagen. Wer sich an die IHP-Institutsbroschüren (Institut für hydraulische und pneumatische Antriebe und Steuerungen, heute IFAS) aus der Zeit meines Vorgängers erinnert, wird wissen, dass die Umsatzzahlen unserer Branche immer im Vergleich zum allgemeinen Maschinenbau aufgetragen wurden, um die außergewöhnliche Entwicklung zu dokumentieren. In den frühen Jahren lag der Anteil der Pneumatik dabei bei etwa 20 % des Umsatzes der Hydraulik. Dies hat sich in den 90er Jahren dann sehr zum Vorteil der Pneumatik verändert. Mit dem Aufkommen und Fort- Eine Leidenschaft, die uns verbindet. Wir gratulieren und bedanken uns für 60 Jahre ausgezeichnete Berichterstattung.

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG schreiten der Automatisierungstechnik war die Pneumatik mehr gefordert und konnte kostengünstige und robuste Lösungen anbieten, die im Wettbewerb mit elektro-mechanischen Antrieben für sehr hohe Zuwächse gesorgt haben. Der Umsatzanteil macht heute etwa 50 % des Hydraulikumsatzes aus – oder anders ausgedrückt steht für etwa 1/3 des Gesamtumsatzes der Fluidtechnik. Lassen Sie mich zu den Anfangsjahren zurückkehren und eines hervorheben: Es gab einen Pioniergeist in Hydraulik und Pneumatik, der wohl einmalig war und Lösungen für die damaligen Problemstellungen hervorgebracht hat, die konkurrenzlos waren. Viele Erfinder kamen von Ingenieurschulen und kannten noch nicht die Universitäten und Hochschulen, die heute für die Ausbildung des Ingenieursnachwuchses verantwortlich zeichnen. Vieles erfolgte mit Trial und Error und man hat so lange getüftelt und versucht, bis eine funktionierende Lösung die Erfinder belohnt hat. VERDRÄNGEREINHEITEN Der Name Molly, ein späterer Ehrendoktor der RWTH, stand für diesen Erfindergeist und hat durch frühe analytische Ansätze zum Verständnis der Verdrängereinheiten beigetragen. So wurden Schrägscheibenmaschinen beherrschbar und die mit dem Namen Thoma einhergehende Schrägachsenmaschine fand ihren Weg in die Produktion und diente als Motor in vielfältigen Anwendungen. An den Universitäten begann in den frühen 70ern die Lehre Einzug in die Curricula zu halten, und die Entwicklungen der Industrie konnten von Forschungsarbeiten unterstützt und begleitet werden. Zusätzlich zu den Aachener Aktivitäten haben sich insbesondere auch Braunschweig, Dresden, Hamburg und München – neben vielen Hochschulorten, die das Fach als Lehrgebiet mit vertreten haben – von der frühen Zeit an mit der Hydraulik und zum Teil auch Pneumatik befassen können. Dieses Engagement hat eine Vielzahl an Dissertationen auf den Weg gebracht, die von der O+P akribisch gesammelt und chronologisch aufgelistet werden. Diese Liste wird 60 JAHRE O+P IN ZAHLEN n 690 Ausgaben n rund 60 000 Seiten n etwa 70 000 Veröffentlichungen n mehr als 3500 Autoren n 110 O+P-Gespräche auch heute noch ständig aktualisiert und steht Ihnen als Leser zur Verfügung. So kann sie für die Fluidtechnik Begeisterten wahrgenommen werden und für das Studium Berücksichtigung finden. PROPORTIONALHYDRAULIK Diese Arbeiten zeugen von den einzelnen Entwicklungsstadien, die die Fluidtechnik in dem hier behandelten Zeitraum geprägt haben. Vor vier Jahrzehnten war die Proportionalhydraulik noch nicht präsent. Ich erinnere mich genau mit Kommilitonen im Studium diskutiert zu haben, was ein Proportionalventil ist. Bis dahin gab es nur Schwarz-/Weiß-Ventile und die für die NC-Maschinen und in der Flughydraulik benötigten und sehr teuren Servoventile. Dies hat sich dann im folgenden Jahrzehnt rasant geändert. Die kostengünstigen Proportionalventile haben Einzug in die Industriehydraulik gehalten und dort Antriebslösungen ermöglicht, die konkurrenzlos waren. Mehrere Aachener Fluidtechnische Kolloquien (AFK) haben sich ausführlich mit den Entwicklungen befasst und dafür gesorgt, dass diese über die Grenzen hinaus bekannt wurden. Auch dies wurde durch Veröffentlichung entsprechender Fachartikel von der O+P begleitet. Obwohl die Beiträge alle in deutscher Sprache verfasst waren, wurden sie im Ausland akribisch verfolgt und in die jeweilige Landessprache übersetzt. Dies konnte man anhand von Fragen bei Besuchen und internationalen Tagungen leicht nachvollziehen; und es galt in gleichem Maße für Asien wie für Europa. In den USA hat man nach den frühen MIT-Arbeiten das Fachgebiet für viele Jahre vernachlässigt und ist erst in den letzten Jahrzehnten wieder dabei hier aufzuschließen. AUFGELÖSTE VENTIL-BAUARTEN Neben der Proportionalhydraulik hat die 2-Wege-Einbauventiltechnik die Entwicklungen der Fluidtechnik revolutioniert. Sie ging zum Teil Hand in Hand mit der 01 Univ.-Prof. Dr.-Ing. Hubertus Murrenhoff Auffallend besser – VOSSPoint DC Messkupplungen Wir haben Sicherheit und Handhabung neu definiert: Kennzeichnen Sie Ihre Hydraulikkreisläufe in einer der fünf Basisfarben oder Ihrer Wunschfarbe. Die zusätzliche Elastomerdichtung sorgt für zuverlässige Langzeitabdichtung. Außerdem sind alle Messkupplungen und -schläuche des VOSSPoint DC Sortiments mit der bewährten VOSS coat Beschichtung optimal gegen Korrosion geschützt. Mehr unter www.voss-fluid.de O+P Fluidtechnik 5/2017 27

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