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O+P Fluidtechnik 5/2017

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TRADITIONSUNTERNEHMEN

TRADITIONSUNTERNEHMEN SEIT MEHR ALS 80 JAHREN: EXPERTEN DER DICHTUNGSTECHNIK SPECIAL / 60 JAHRE O+P Die steigenden Anforderungen an Dichtungen stellen Freudenberg Sealing Technologies vor immer neue Entwicklungsaufgaben. Zum Portfolio gehören heute aber auch Produkte, die bereits seit vielen Jahren im Programm sind wie spezielle Simmerringe und komplette Dichtungspakete für Hydraulikzylinder. Das spricht für einen hohen Qualitätsstandard und vorausschauende Entwicklungen des Unternehmens. Autoren: Jürgen Besser, Norbert Frank, beide Freudenberg Sealing Technologies, Weinheim Wie lange hält eine eingebaute Dichtung? Auslaufendes Hydrauliköl ist ein untrügliches Zeichen für ihr baldiges Ende; die ersten Auswirkungen durch Materialversagen sind meist aber nicht direkt sichtbar. So erhöhen beispielsweise schon geringe Störungen des Reibmoments einer Kurbelwellendichtung die CO 2 -Emission bei Kraftfahrzeugen. Auslöser sind oft aggressive Medien und extreme Belastungen. Ständig steigende Anforderungen an Dichtungen in Bezug auf Lebensdauer, Dichtigkeit und Reibungsverhalten führen daher bei einem Hersteller wie Freudenberg Sealing Technologies in Weinheim zu einer großen Zahl von Neuentwicklungen. Aber auch „Klassiker“ der Entwicklungshistorie des Unternehmens – z.B. Simmerringe – sind nach wie vor am Markt gefragt. AUS ERFAHRUNG GUT Simmerringe sind Radialwellendichtringe. Zu ihren Aufgaben gehört die zuverlässige Abdichtung drehender Wellen. Sie werden heute millionenfach in Anwendungen und unterschiedlichen Maschinen der Allgemeinen Industrie und der Automobilindustrie eingesetzt. Der erste Simmerring, nach seinem Erfinder Walter Simmer benannt, wurde 1932 in der Lederfabrik Carl Freudenberg in Weinheim entwickelt. Es war ein Manschettenring aus Chromleder, der in einem Blechring eingebettet und mit Hilfe einer Feder gegen die Welle gedrückt wurde. Fünf Jahre später ersetzte ein Elastomer den Werkstoff Leder. Seitdem wurde der Simmerring in seiner Bauform permanent optimiert. Trotz der vielen Weiterentwicklungen besteht jeder im Wesentlichen immer noch aus Haft- und Metallteil, Schutz- und Dichtlippe(n). Auch die Zugfeder ist fast immer integriert. Dass eine Vielzahl der von Freudenberg Sealing Technologies schon vor über 20 Jahren entwickelten Simmerringe auch heute 48 O+P Fluidtechnik 5/2017

TRADITIONSUNTERNEHMEN noch zum Portfolio gehört, spricht für die Qualität dieser Entwicklungen. Typische Beispiele für aktuell nachgefragte Modelle für hohe Anforderungen sind die Simmerring-Baureihen BAHD (HD=Hochdruck) für Hochdruckpumpen mit kurzer und sehr stabiler Dichtlippe oder die BABSL-Reihe für hydrostatische Antriebe wie Pumpen und Motoren. Beide sind nicht nur mit dem Standardwerkstoff NBR sondern bei Bedarf auch mit dem Werkstoff Fluorkautschuk 72 FKM 107725 bzw. 75 FKM 595 lieferbar. Der Vorteil von FKM ist die deutlich höhere thermische Stabilität und chemische Beständigkeit. Ähnlich aktuell ist der bewährte Simmerring PPS (Premium Pressure Seal). Auch er ist seit vielen Jahren im Programm. Der PPS ist speziell für Mitteldruckanwendungen bei hohen Wellenumdrehungen ausgelegt und kombiniert ein niedriges Reibmoment mit guter Beständigkeit gegen eine Vielzahl von Schmierstoffen und Ölen. VON DER ÖLSCHMIERUNG ZUM LUFTKISSEN Einer der Meilensteine in der Weiterentwicklung der Simmerringe bei Freudenberg Sealing Technologies war in den 80er Jahren die PTFE-Manschette anstelle der Elastomer-Dichtkante. Zu ihren Vorteilen zählen die deutlich höhere chemische Resistenz gegenüber fast allen Ölen und Additiven, die Flexibilität bei Temperaturen bis weit unter die geforderten -30 °C sowie die Temperatureinsatzgrenze jenseits von 200 °C. Nur wenige Jahre später erfolgte mit dem federlosen Energy Saving Simmerring ESS ein weiterer Entwicklungsschritt, bei dem Radialkraft und Reibung gezielt minimiert wurden. Ein Highlight war dann die Kombination von PTFE mit der geringen Reibung der ESS-Entwicklung: Der Power Optimized POP Simmerring. Hier ist es durch Anpassung von Material und Geometrie gelungen, Radialkraft und Kontaktfläche so zu optimieren, dass er die Reibungsverluste des ESS erreicht. Weitere Anforderungen des Marktes betrafen die Reduzierung von Bauraum und Gewicht – ein zentrales Thema neben der Emis- POINTIERT QUALITATIV HOCHWERTIGE ENTWICKLUNGEN BEWÄHREN SICH SEIT JAHRZEHNTEN BESTEHENDE PRODUKTE WERDEN STETIG OPTIMIERT INNOVATIVE WERKSTOFF- UND KONSTRUKTIONSLÖSUNGEN… …ERMÖGLICHEN EINE NAHEZU REIBUNGSFREIE DICHTUNG sionsreduzierung beim Downsizing von Motoren. Der BlueSeal- Simmerring besteht nur noch aus zwei Komponenten, wobei seine Dichtlippe auf dem POP-Konzept basiert. Hauptvorteile dieser Entwicklung sind die Gewichtseinsparung von 40 % und der um die Hälfte reduzierte Bauraum. Hinzu kommen die sehr gute thermische und chemische Beständigkeit der PTFE-Lippe, die minimierte Reibung und reduzierte Funktionskosten. Wie viel Potential trotz all dieser Neuerungen noch im Thema Effizienz lag, zeigte die Entwicklung der nahezu reibungsfreien Dichtung Levitex für den Einsatz in der Automobilindustrie. Ein Luftkissen zwischen Gleitring und Gegenring anstelle eines Ölfilms, reduziert die Reibung im Vergleich zu einer herkömmlichen Kurbelwellendichtung um 90 %. Dies senkt die CO 2 -Emissionen während der 01 Querschnitt der ersten Simmerring-Variante, entwickelt 1932 02 Die federlose ESS-Dichtung minimierte Ende der 1980er Jahre Radialkraft und Reibung 03 Der BlueSeal-Simmerring ermöglichte eine Gewichtseinsparung von 40 % und reduzierte den Bauraum und die Hälfte 01 02 03 O+P Fluidtechnik 5/2017 49

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