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O+P Fluidtechnik 7-8/2016

O+P Fluidtechnik 7-8/2016

WIR BRAUCHEN EINE

WIR BRAUCHEN EINE WEITERE BRANCHENPLATTFORM MENSCHEN UND MÄRKTE Jürgen Prochno ist Geschäftsführer der Lee Hydraulische Miniaturkomponenten GmbH mit Sitz im hessischen Sulzbach. Im Vor-Ort-Interview erklärt er uns die besonders heterogenen Absatzmärkte des Unternehmens und die Herausforderungen bei der Produktion von Miniaturkomponenten. Zuletzt stellt er uns seinen Wunschzettel für die Fluidbranche zusammen. Autoren: Michael Pfister, Chefredakteur, O+P; Peter Becker, Redakteur, O+P 16 O+PFluidtechnik 7-8/2016

INTERVIEW WIE HERAUSFORDERND IST DIE PRODUKTION VON MINIATURKOMPONENTEN? Herr Prochno, aus welchen Branchen kommen Ihre Kunden? Viele unserer großen Stammkunden kommen historisch bedingt aus dem Luftfahrtbereich. Ergänzt wurden diese in den letzten Jahren durch Kunden aus der Fahrzeugund Offshoreindustrie, auch der Rennsportbetrieb ist ein wichtiger Bereich für uns geworden. Daneben gibt es viele, vielleicht hunderte Abnehmer aus allen möglichen Branchen. Es gibt Kunden die kontinuierlich im mittleren Mengensegment oder auch nur eine Handvoll Produkte alle zwei oder drei Jahre kaufen. Unser breites Produktportfolios ist dabei natürlich der Motor für unser kontinuierlichen Wachstums. Wir können nahezu jede Branche bedienen – und das weltweit. Dieser Mix aus den unterschiedlichsten Branchen und Kundengrößen macht es so interessant und darin liegt auch die Faszination Lee für mich. Wie viele Ventile vertreibt Lee Deutschland jährlich? Es ist eine nahezu achtstellige Zahl. Aber wie auch unsere Abnehmerstruktur sind auch hier die Absatzzahlen sehr unterschiedlich. In der Industrietechnik reden wir von Aufträgen in Millionen Stück, in der Luftfahrt- oder Medizintechnik sind es vielleicht nur hunderte oder tausende. Die meisten unserer Kunden sind dabei langjährige Partner mit kontinuierlichem Bedarf. Es gibt kaum „Einmalgeschäft“. Ich bin seit 25 Jahren bei Lee und wir haben Abnehmer, die seitdem – und auch schon viele Jahre vor meiner Zeit – kontinuierlich bei uns einkaufen. Wie produzieren Sie Ihre teils extrem kleinen Produkte? Dafür ist ein sehr hoher Automationsgrad erforderlich. Im industriellen Bereich ist die Produktion von Auftragseingang bis zum verpackten Produkt automatisiert, abgesehen von den Mitarbeiter, die Stichproben nehmen. Generell führen wir bei all unseren Produkten eine 100%-Kontrollen durch. In der Industrie- oder Fahrzeugtechnik geschieht dies größtenteils via automatischen Assembly-Tests, in der Luftfahrt werden die Kontrollen teils noch von Hand durchgeführt. Aber wie sie schon mit Ihrer Frage andeuten: Unsere Produkte sind zum Teil so klein, dass sie die menschliche Hand kaum richtig greifen kann. Diese Ventile müssen zwangsläufig automatisch getestet werden. Gibt es Grenzen in der Dimensionierung der Ventile? Unser kleinstes Serien-Rückschlagventil hat z.Zt. einen Durchmesser von 2,5 mm. Wir wurden vergangenes Jahr gebeten, ein 1,5 mm Rückschlagventil für die Medizintechnik zu konzipieren. Wir haben dies erfolgreich fertig- und vorgestellt, aber für uns selbst entschieden, dass wir es nicht in Serie gehen lassen. Der Handling-Aufwand ist noch einmal deutlich größer als der des 2,5 mm Ventils. Zudem setzt sich die geringe Größe im Inneren des Ventils fort. Diese Komponenten sind also noch kleiner. Das ist kaum noch handhabbar. Uns erschien die Effizienz als nicht gegeben. Waren die Stückzahlen zu gering? Nein, ganz im Gegenteil. Es gibt auch Situationen, in denen die Stückzahlen zu hoch sind. Wir sichern unserem Partner zu, zum Zeitpunkt X eine gewisse Menge zu liefern. Und bei diesem Projekt wäre die Entwicklungszeit bis zu diesem Zeitpunkt zu gering und der Entwicklungsaufwand wiederum zu groß gewesen. Das Risiko unser Lieferversprechen nicht halten zu können, war uns in diesem Fall zu hoch. O+PFluidtechnik 7-8/2016 17

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