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O+P Fluidtechnik 9/2019

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INSTANDHALTUNG MIT LOTO

INSTANDHALTUNG MIT LOTO LEBEN SCHÜTZEN − WARTUNGSSICHERUNGEN AN MASCHINEN Bei der Instandhaltung sollte nicht unterschätzt werden, dass von Maschinen und Anlagen auch eine Gefahr ausgeht, wenn diese abgeschaltet sind – z.B. durch Restenergien in Druckspeichern. Ein ursprünglich aus den USA stammendes Verfahren zum sicheren Trennen von Energiequellen hilft dabei, Leben zu schützen: das LOTO-Verfahren. Maschinen und Anlagen sicher zu gestalten, liegt in der Verantwortung des Herstellers. Schon während der Konstruktion werden durch die Erstellung einer Risikobeurteilung vorhandene Risiken erkannt und durch geeignete Gegenmaßnahmen hinreichend minimiert. Die Reihenfolge der Maßnahmen ist in der EN ISO 12100:2010 beschrieben. Das in der Euronorm genannte Drei-Stufen-Verfahren erläutert die Vorgehensweise im Detail. Ein von vielen unterschätztes Sicherheitsrisiko besteht bei wiederkehrenden Arbeiten, wie bei Instandsetzungen, regelmäßigen Wartungen, Inspektionen und Reinigungen der betrieblichen Anlagen. Für diese Arbeiten werden die Anlagen i.d.R. vorschriftsmäßig abgeschaltet, doch können Restenergien in Druckspeichern oder Kondensatoren eben auch nach dem Abschalten der Anlage mitunter lebensgefährdende Situationen hervorrufen. So sind diese Arbeitsplätze besonderen Gefahren ausgesetzt, die sich durch LOTO-Prozeduren eliminieren lassen. Im Arbeitsalltag könnten sich dramatische Szenen abspielen, wenn kein Verfahren zur Absicherung implementiert wäre. Deshalb ist es wichtig, dass die Anlagen, z.B. während der Instandhaltung, nicht unerwartet anlaufen oder aus Versehen von anderen Perso- nen wieder eingeschaltet werden. Neben der Elektrik und Mechanik existieren noch weitere Energieformen wie Pneumatik, Hydraulik, Chemikalien, Dampf und Gase. Daher müssen alle Mitarbeiter, die im betroffenen Bereich arbeiten, darin unterwiesen werden, die Maschinen und Anlagen zu sichern. DAS LOTO-VERFAHREN IN DER PRAXIS Die ursprünglich aus den USA stammende Vorgehensweise zum sicheren Trennen von Energiequellen, „LOTO“, findet auch in Europa zunehmend Akzeptanz. LOTO ist die Abkürzung von „Lock Out Tag Out“, was ins Deutsche übersetzt „abschließen und kennzeichnen“ bedeutet. Die LOTO-Prozeduren bestehen aus mehreren Teilen. Aus einem Layout oder einer Abbildung der Maschine lassen sich als erstes die Positionen der Abschaltvorrichtungen erkennen. Im Anschluss werden typische Tätigkeiten gelistet und die gefährlichen Energiequellen und Medien im Betrieb und alle Energie-Kontrollpunkte im Hinblick auf das LOTO-Verfahren identifiziert. In der Praxis werden die Abschaltpunkte meist in Bildern dargestellt und im Detail beschrieben. Darin finden sich auch Aussagen, wie und mit welchen Hilfsmitteln die Energien abgeschaltet werden müssen. Bevor mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden darf, gilt es zu überprüfen, ob die Energien auch tatsächlich abgesperrt sind. Soll z.B. eine Aluminium-Spritzgussmaschine nach den LOTO- Regeln gesichert werden, ist darauf zu achten, dass nicht nur die primären Energieformen erkannt werden. Gespannte Federn, lange nachlaufende rotierende oder in Höhen gelagerte Teile, die sich absenken können, speichern beispielsweise ebenfalls Energien, die es zu erfassen gilt. Da der Aufbau einer Spritzgussmaschine aus unterschiedlichen Baugruppen besteht, denen jeweils eigene Aufgaben zukommen, müssen auch die dazugehörigen Aggregate betrachtet werden. Zum Beispiel übernimmt ein Industrieroboter die Aufgabe, das gegossene Bauteil aus der Spritzgussmaschine zu entnehmen, in einem mit einer Flüssigkeit gefüllten Becken abzukühlen und einer Trimmpresse PRODUKTE UND ANWENDUNGEN POINTIERT LOTO-VERFAHREN SCHÜTZT VOR RISIKEN VON RESTENERGIEN TRENNEN VON ENERGIEQUELLEN WIRD SICHERGESTELLT SEKUNDÄRE ENERGIEFORMEN WERDEN ERFASST SCHULUNG VON MITARBEITERN IST TEIL DES VERFAHRENS 32 O+P Fluidtechnik 9/2019

INSTANDHALTUNG 01 Maßnahmen gegen Gefährdungen werden laut EN ISO 12100:2010 nach dem Drei-Stufen- Verfahren bestimmt SCHRITT 1 Inhärent sichere Konstruktion / Beseitigung der Gefährdung SCHRITT 2 Technische Schutzmaßnahmen und/oder ergänzende Schutzmaßnahmen SCHRITT 3 Benutzerinformation zuzuführen. Insgesamt existieren hier neun verschiedene Energieformen, die für Wartungs- und Instandhaltungszwecke gesichert werden müssen. Bei größeren Anlagen sind häufig 30 oder mehr Abschaltstellen für Elektrik, Pneumatik, Hydraulik, Schmierstoff, Kühlung und anderes vorhanden. „Es ist unmöglich, ein Abschalten all dieser Punkte vom Instandhalter zu verlangen“, weiß Jörg Handwerk, Geschäftsführer der Ce-Con. „Wichtig ist, die Energiequellen zu vereinheitlichen und die Verteilung zu bündeln, damit sie sich einfach und schnell abschalten lassen.“ NOTWENDIGE VERFAHRENSSCHRITTE Die sichere Instandhaltung von Maschinen ist ein Prozess, der unter Anwendung von einfachen Grundregeln durchgeführt werden kann. Er beginnt mit der Planung und endet mit der Überprüfung der Maßnahmen, vollständigen Dokumentation und Schulung der Mitarbeiter. Im ersten Schritt muss der Umfang der durchzuführenden Arbeiten klar definiert werden. Es wird festgestellt, was zu tun ist und welche Personen in den Vorgang involviert sind. Dementsprechend werden die Gefahren ermittelt. Zur Planung gehört ebenfalls, die Voraussetzungen für die Durchführung zu betrachten. Sämtliche Schritte, vom sicheren Zugang zum Arbeitsbereich bis hin zu den Fluchtmöglichkeiten und der Schulung der Mitarbeiter, werden in diesen Prozess einbezogen. Im Anschluss an die Analyse und Erstellung eines geeigneten LO- TO-Verfahrens wird im nächsten Schritt die dauerhafte Abschaltung der Energie durch Hilfsmittel sichergestellt. Die Verriegelung besteht meist aus einem Mechanismus zum Blockieren und einem Schloss zum Verriegeln, Ventilabsperrungen oder Schließkammern. Die Person, die abgeschlossen hat, der sog. „Betroffene“, trägt den Schlüssel stets bei sich, damit kein anderer die Sperrung aufheben kann. Durch eine auffällige Kennzeichnung an den Lockout-Vorrichtungen wird auf abgeschaltete Aggregate und Anlagen hingewiesen. Im günstigsten Fall sind auf einem dort angebrachten Etikett der Name des „Betroffenen“, der Grund und die Dauer der Absperrung zu entnehmen. Arbeiten mehrere Personen an der Maschine, ist jede Person verpflichtet, ihr Schloss an den Abschaltpunkten anzubringen. Die detaillierten Angaben zu den wiederkehrenden Arbeiten werden, neben den Angaben zur Maschine, ausführlich dokumentiert. Sollte es z.B. einen Schichtwechsel im Unternehmen geben, wird im LO- TO-Programm definiert, wie genau dabei vorgegangen wird. Denn ein Schichtwechsel darf nicht dazu führen, dass Abschaltpunkte frei zugänglich sind. Manche Unternehmen nutzen dazu Formulare, andere einen Supervisor, der eine sichere Übergabe garantiert. Befugnisse und Vorgehensweisen sind aus dem Programm ersichtlich. Sollten trotz allen Vorkehrungen noch immer Restgefahren, die in der ausführlichen Gefährdungsbeurteilung ermittelt wurden, vorhanden sein, so werden weitere Gegenmaßnahmen definiert. Anschließend wird deren Umsetzung kontrolliert und auch diese Information gut sichtbar platziert. SICHERE INSTANDHALTUNG Im letzten Schritt des LOTO-Verfahrens steht die Ausbildung und Schulung involvierter Mitarbeiter. Sie gibt Aufschluss über die Prozeduren und trainiert die richtige Handhabung von Hilfsmitteln zum Absperren. Diese Vorgehensweise gewährleistet, dass sich alle Mitarbeiter an die Durchführung halten und somit ein effektiver Schutz für die Mitarbeiter während der wiederkehrenden Arbeiten besteht. Im Anschluss an diese Arbeiten wird der Arbeitsplatz aufgeräumt und gereinigt. Alle Mitarbeiter, die im betroffenen Bereich arbeiten, werden informiert, dass die Anlage wieder entsichert und demontierte Schutzeinrichtungen wieder angebracht wurden. Im Anschluss werden die Schlösser, Absicherungen und Kennzeichnungen entfernt und die Energieversorgung wieder hergestellt. Die korrekte Funktionsweise wird nach dem Einschalten überprüft und der Betrieb wird wieder aufgenommen. Das LOTO-Verfahren schützt das Leben der Mitarbeiter, wenn es richtig umgesetzt wird. Im Betrieb bedeutet dies eine Senkung der Unfallzahlen. Dies führt dazu, dass nicht nur die verletzungsbedingten Kosten durch ein gut organisiertes LOTO-Verfahren reduziert werden. Dies gilt auch für die Aufwände für wiederkehrende Arbeiten. Somit ist dieses bewährte, aus den USA stammende Verfahren, für alle Unternehmen interessant und lohnenswert, die große oder viele Maschinen und Anlagen im Einsatz haben. Fotos: CE-Con www.ce-con.de 02 Durch eine auffällige Kennzeichnung an den Lockout-Vorrichtungen wird auf abgeschaltete Aggregate und Anlagen hingewiesen

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