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O+P Fluidtechnik 10/2021

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O+P Fluidtechnik 10/2021

AUSBILDUNG &

AUSBILDUNG & QUALIFIZIERUNG NEUE PROFESSOREN, NEUE FORSCHUNGSFELDER Die Johannes-Kepler-Universität Linz wird einen neuen Professor für den Bereich Fluidtechnik erhalten. Wir sprachen mit dem scheidenden Leiter des dortigen Instituts für Maschinenlehre und Hydraulische Antriebstechnik Professor Rudolf Scheidl. Er hält das Fach Fluidtechnik für hervorragend geeignet, um die Lehre der Mechatronik zu unterstützen und sieht eine Zukunft der Disziplin auch außerhalb von antriebstechnischen Anwendungen. SERIE AUSBILDUNG & QUALIFIKATION IN DER FLUIDTECHNIK Teil 1: Juni 2021 Hochschulen auf dem Prüfstand Peter Michael Synek und Dr. Christian Geis (VDMA) Zwischen Schraubgewinde und KI Teil 2: Juli / August 2021 Wege in den Beruf Teil 3: September 2021 „Altes“ und „Neues“ Wissen Warum sucht ihr Institut einen Professor? Es handelt sich um die Nachbesetzung meiner Stelle aufgrund meiner Emeritierung mit 30. September 2022. In welche Richtung sollte sich das Institut mit der Neubesetzung entwickeln? Die betreffende Stelle war bei der Gründung des weltweit ersten Diplomstudiums für Mechatronik an der Johannes-Kepler-Universität Linz sehr breit, nämlich für „Maschinebau“ ausgeschrie- ben. Es war die erste neu gegründete Professur für das neue Studium und es war dem Stelleninhaber überlassen, wie er sie in Forschung und Lehre ausrichtet. Ich habe die Fluidtechnik und hier vor allem die Hydraulik als Hauptforschungsgebiet gewählt. Dafür waren die folgenden Gründe maßgebend: - dass dieses Gebiet an keiner der anderen technischen Fakultäten in Österreich prominent vertreten war, aber in vielen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus schon damals eine große Rolle spielte. - dass die Fluidtechnik vor allem in den anspruchsvollen industriellen Anwendungen eine durch und durch mechatronische Disziplin geworden war. Der interdisziplinäre Charakter der Mechatronik und viele Herausforderungen ihrer erfolgreichen Umsetzung in der Praxis zeigen sich in der überschaubaren Welt der Fluidtechnik ganz deutlich. Sie ist daher ein nahezu ideales Fach, um diese Herausforderungen in der Lehre zu vermitteln. Wird sie die Ausbildung der Studierenden durch den Wechsel des Institutsleiters verändern? Sie oder er werden die eigenen Erfahrungen und Fähigkeiten in der Gestaltung der Studienrichtungen Mechatronik und Maschinenbau und in den einzelnen Lehrveranstaltungen einbringen. Das wird sicherlich zu Änderungen führen. Das begrüße ich, denn die Universitäten müssen sich an die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen. MENSCHEN UND MÄRKTE Professor Dipl. Ing. Dr. Rudolf Scheidl, Leiter des Instituts für Maschinenlehre und Hydraulische Antriebstechnik, JKU Linz Wie sieht es aus mit einer Attraktivitätssteigerung der Fluidtechnik im Besonderen? Die Fluidtechnik wird sehr zwiespältig wahrgenommen: Technikferne Personen sind eher geneigt ihre hohe Leistungsfähigkeit zu bewundern, wenn sie z. B. große Erdbewegungs- oder moderne Forstmaschinen sehen. Viele Anwender im Maschinen-, Fahrzeug- und Anlagenbau wollen sie durch elektromechanische Antriebe ersetzen, wenn Aussicht auf Umsetzbarkeit besteht. Die Beweggründe sind einerseits der allgemeine Trend und die Vermeidung der bekannten Schwächen der Fluidtechnik. Die Fluidtechnik muss ihre Vorteile immer wieder beweisen. Bob Koski, der Gründer von Sun Hydraulics, war der festen Meinung, dass für den Erfolg der Fluidtechnik die Fluidtechnik- Kompetenz der Systementwickler die allergrößte Rolle spielt, weit mehr als die der Forscher und Entwickler in den Fluidtechnikfirmen oder in Forschungsinstituten. Ich bin überzeigt, dass die Fluidtechnik in vielen Fällen die besseren Antriebs- bzw. 12 O+P Fluidtechnik 2021/10 www.oup-fluidtechnik.de

AUSBILDUNG & QUALIFIZIERUNG kann eine gute Lösung gefunden werden. Darüber hinaus gibt es fluidtechnische Projekte, die von Modellbildungs- und Simulation bis hin zu neuen Konzepten, Komponenten reichen. Ein Scherpunkt ist natürlich die Digitalhydraulik. Die Bedeutung der Fluidtechnik für die industrielle Produktion wird immer wieder betont, dennoch scheinen Alternativen zur Fluidtechnik an Bedeutung zu gewinnen. Wie sehen Sie diese Entwicklung? In welchen Bereichen benötigt die Fluidtechnik Innovationen? Angeregte Diskussion von Versuchen im Hydrauliklabor der Johannes Kepler Universität Linz während des Digital Fluid Power Workshops 2015 Aktuatorik-Lösungen bieten kann, vor allem wenn eine Symbiose mit den mechanischen Komponenten und gegebenenfalls auch mit den elektrischen und automatisierungstechnischen Teilsystemen gelingt. Daher ist es angebracht, Fluidtechnik in den Lehrplänen von Maschinenbau- und Mechatronikstudien zu verankern. Gibt es an der Universität in Linz Kooperationen mit Unternehmen, die bestimmte Aspekte der Fluidtechnik stärker gewichten? Die Themen von Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Unternehmen sind breit und reichen über die Fluidtechnik im engeren Sinn hinaus. Wir behandeln z. B. derzeit Fragen der Entstehung von Schwingungen in bestimmten Produktionsprozessen, weil wir zu deren Unterdrückung hydraulische Konzepte vorgeschlagen hatten, die sich in Versuchen bewährt haben und dabei das Bedürfnis aufgekommen ist, die Entstehungsmechanismen mittels mathematischer Modelle besser zu verstehen. Zum durchdringenden Systemverständnis gehört auch der Prozess. Nur wenn alle Teile eines Wirkmechanismus bekannt sind, Fluidtechnik soll dort zur Anwendung kommen, wo sie die beste Lösung darstellt. Das ist sie aber in vielen Fällen nicht per se, sondern nur in der geschickten Integration oder gar Kombination mit anderen Systemteilen, immer unter Berücksichtigung der Prozess- und Betriebserfordernisse. Die Koski’sche Hypothese vom vorhin meint ja genau das. Innovationen werden weiterhin durch konkrete Bedürfnisse vor allem aus sehr anspruchsvollen Anwendungen („Market pull“) oder durch den Kreativitätsdrang von Ingenieure und Ingenieurinnen („Technology push“), die auf ein schlummerndes Bedürfnis des Marktes passen, entstehen. Das kann etwa ein extrem leichter Zylinder, z. B. für Exoskelett-Anwendungen, sein oder eine neue hydraulische Schaltung, mit der eine einfache und energetisch überlegene Lösung für die Elektrifizierung von Minibaggern gelingt. Was denken Sie, welche Stellung die Fluidtechnik in Zukunft im Curriculum von Maschinenbaustudierenden erhalten wird? Jeder Maschinebauer sollte die Fluidtechnik kennenlernen. Ich trete dabei für eine über die antriebstechnischen Funktionen hinausgehende Sicht ein, die Funktionen wie z.B. Kraftstoffeinspritzung, Kühlung, oder Schmierung mit einschließt. Fluide werden auch in Zukunft wichtige Funktionen in technischen Systemen erfüllen. Die Fluidtechnik stellt die Komponenten, die Schaltungen und das Wissen für die effektive bauliche Umsetzung zur Verfügung. Sie komplementiert daher die Strömungslehre, so wie die Maschinenelemente die Mechanik fester Körper. www.jku.at IHR STARKER HYDRAULIKPARTNER - HEUTE UND IN ZUKUNFT! TRIES GmbH & Co. KG Hydraulik-Elemente · 89584 Ehingen · Röntgenstr. 10 · info@tries.de · www.tries.de

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