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O+P Fluidtechnik 3/2021

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O+P Fluidtechnik 3/2021

TRANSKULTURELLES

TRANSKULTURELLES FORSCHUNGS- PROJEKT FÖRDERT CHINESISCH- DEUTSCHE ZUSAMMENARBEIT MENSCHEN UND MÄRKTE Der Forschungsverbund TraKuLa (Transkultureller Kompetenz- und Lehransatz) an der Leibniz Universität Hannover befasst sich damit, welche Faktoren hinter dem Misserfolg – vor allem aber dem Erfolg – des wechselseitigen Wissenstransfers in deutsch-chinesischen Kooperationsprojekten für Forschung und Innovation im Ingenieurbereich stecken. Forschungsziel ist es vor allem kulturelle Hürden zu überwinden, die die Zusammenarbeit in chinesisch-deutschen Projekten stark erschweren können. Wie können die deutsch-chinesischen Partnerinnen und Partner voneinander lernen und ihre gemeinsame Arbeit erfolgreicher gestalten? Welche neuen Erkenntnisse entstehen durch transkulturelle Zusammenarbeit? Wie vollzieht sich generell in Deutschland und China der weitere Weg zur Innovation? Wie kann die Kooperationsfähigkeit deutscher Akteurinnen und Akteure so gestaltet werden, dass Zusammenarbeit auch außerhalb des westlichen Kulturkreises effektiv und effizient durchgeführt werden kann? Ein Team der Leibniz Universität Hannover um die Professorinnen und Professoren Steffi Robak, Monika Sester, Ingo Liefner und Michael Beer geht im Forschungsverbund TraKuLa in Zusammenarbeit mit chinesischen Kolleginnen und Kollegen der Tongji-Universtität (Shanghai) die Herausforderung an, die Grundlagen erfolgreicher wissenschaftlicher Kooperation mit dem immer wichtiger werdenden Partner China besser zu verstehen. TraKuLa wird Unterschiede in den Motiven und Verhaltensweisen deutscher und chinesischer Kooperationspartnerinnen und -partner in Forschungs- und Innovationsprozessen analysieren. Damit will der Forschungsverbund aufzeigen, inwiefern sich aus der Überbrückung und gemeinsamen Nutzung dieser Unterschiede ein Mehrwert generieren lässt. HINTERGRUND ZUM PROJEKT Die Volksrepublik China hat einen vierzigjährigen wirtschaftlichen Aufholprozess hinter sich, der auf den beiden Pfeilern Wissenstransfer aus dem Ausland und eigener Technologieentwicklung fußte. Dabei stellte der Wissens- und Technologietransfer bis etwa zum Jahr 2005 die wichtigste Wachstumsdeterminante im chinesischen Reformprozess dar. Ab dem Jahr 2006 hat sich China ein neues Wachstumsmodell verordnet und politische Leitlinien in Kraft gesetzt, die das eigenständige Hervorbringen von Innovationen fördern. Ausgangspunkt hierfür war insbesondere die erfolgreiche Verringerung des technologischen Abstands zum westlichen Ausland und die zunehmend sichtbare Konkurrenz chinesischer und westlicher Firmen im Feld höherwertiger Technologie. Seit 2009 wird der Ausbau interner Innovationskapazitäten zusätzlich durch die „Go Global“-Politik flankiert, die darauf zielt, das Wissen ausländischer Firmen zu erwerben und in den Wissenspool chinesischer Firmen zu integrieren. 12 O+P Fluidtechnik 2021/03 www.oup-fluidtechnik.de

KOOPERATION Durch diesen Wandel hat sich die Volksrepublik China zu einer weltweit führenden Innovationsnation entwickelt. Auch die Art der Kooperation zwischen chinesischen und ausländischen Partnerinnen und Partnern im Forschungs- und Innovationsprozess hat sich grundlegend verändert. Einen einseitigen Technologietransfer von fortgeschrittenen westlichen Akteurinnen und Akteuren an lernende chinesische Partnerinnen und Partner gibt es in der früher etablierten Form nicht mehr. Technologietransfer ist heute wechselseitig, wobei die Beteiligten über unterschiedliche, häufig komplementäre Wissensbestände verfügen, die sich ergänzen können. Der wechselseitige Wissenstransfer und die Aufgabe ausländischer und chinesischer Beteiligter, gemeinsam einen Mehrwert in Innovationsprozessen zu generieren, fußen auf Motivationen, Fähigkeiten und Transferbedingungen, die bislang weitestgehend ungeklärt sind. AUS ERFAHRUNGEN LERNEN Bisherige Erfahrungen, die jedoch bislang nicht systematisch ausgewertet wurden, deuten an, dass viele deutsch-chinesische Kooperationen in den Bereichen Wissenschaft und Innovation an der Unüberbrückbarkeit kultureller Unterschiede scheitern. Die Zusammenarbeit steht oft vor der Schwierigkeit, Lern- und Kooperationsprozesse gemeinsam und effizient zu gestalten. Das Verbundprojekt soll zu einem besseren Verständnis darüber beitragen, wie Hindernisse wirken und welche Potenziale in chinesisch-deutschen Kooperationen liegen. Es geht um das Verstehen, Überbrücken und Nutzbarmachen von Unterschieden in Verhaltensweisen, Wissenskultur, Motivationen, Vorurteilen, Kommunikationsverhalten und persönlichen Beziehungen. TraKuLa untersucht deutsch-chinesische Kooperationsprozesse gezielt in den Ingenieurswissenschaften. Projekte in diesem Bereich eignen sich für die Erforschung transkulturellen Lernens in Innovationsprozessen besonders gut. Weil die Forschung in den Ingenieurswissenschaften naturgemäß auf spätere Anwendbarkeit ausgerichtet ist, lässt sich hier der Bogen vom Forschungs- zum Innovationsprozess schlagen. DIE TEILPROJEKTE DES FORSCHUNGSVERBUNDS Der Forschungsverbund ist in vier Teilprojekte aufgeteilt. Die Mitarbeitenden der einzelnen Teilprojekte arbeiten jedoch transdisziplinär und nutzen die Stärken aller mitwirkenden Disziplinen. Die einzelnen Institute und Mitglieder von TraKuLa haben dabei verschiedene Rollen inne. Die zwei ingenieurwissenschaftlichen Teilprojekte „Risiko und Resilienz“ sowie „Datenbestände“ dienen als Beobachtungsgrundlage. Darin werden jeweils zwei Forschungsseminare und Treffen zwischen Forschenden und Innovatorinnen und Innovatoren in China organisiert. In den Forschungsseminaren kommen chinesische und deutsche Kooperationspartnerinnen und -partner auf universitärer Ebene zusammen, um ihre Forschungsplanung, -durchführung und -auswertung ingenieurswissenschaftlicher Projekte gemeinsam zu erarbeiten. Bei den „Innovationstreffen“ arbeiten deutsche und chinesische Forschende und chinesische Innovierende, d. h., Firmenmanagerinnen und -manager mit wirtschaftlichem Interesse, aus, ob und wie die Forschungsergebnisse in ein marktfähiges Produkt umgesetzt werden können. Wie auch die Forschungsseminare werden diese Treffen von den Mitarbeitenden der Teilprojekte „Lernprozessanalyse“ und „Innovationsprozessanalyse“ begleitet, analysiert und ausgewertet. Diese beiden sozialwissenschaftlichen Teilprojekte übernehmen die Ausführung der Analysen und der Einsätze von Kreativitätstechniken, einschließlich Konzeption, Test, Durchführung und Auswertung. Beide Projekte stehen in engem Austausch über das methodische Vorgehen und die Erhebungsergebnisse. Das Teilprojekt des Instituts für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung fokussiert sich eher auf den Wissenstransfer in interaktiven Lernprozessen, während sich das Projekt des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie mit dem Wissenstransfer in interaktiven Innovationsprozessen beschäftigt. VON ÖFFENTLICHEM INTERESSE Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert den Forschungsverbund mit dem vollen Titel „Erfolgsfaktoren des wechselseitigen Wissenstransfers in chinesisch-deutschen Kooperationsprojekten: Gemeinsame Kompetenzentwicklung in der Forschungs- und Innovationsphase“ mit 635 300 Euro. Das Projekt läuft zunächst bis 2022. Weil das Projekt auch für Beteiligte aus Politik und Wirtschaft von Interesse sein dürfte, plant der Forschungsverbund im Frühjahr 2021 eine Online-Auftaktveranstaltung für die interessierte Öffentlichkeit. Nähere Informationen zum Verbund und zu Terminen finden Sie unter: https://www.iwkg.uni-hannover.de/de/forschung/ trakula/ Bilder: Luzitanija – stock.adobe.com, Uni Hannover www.uni-hannover.de 01 Die vier Teilprojekte des Forschungsverbunds www.oup-fluidtechnik.de O+P Fluidtechnik 2021/03 13

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