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O+P Fluidtechnik 3/2021

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O+P Fluidtechnik 3/2021

DIGITALISIERUNG 01

DIGITALISIERUNG 01 MOBILE MASCHINEN 20 Jahren aussehen wird, geben Fachleute einen spannenden Ausblick: Sie gehen davon aus, dass digitale Hilfsmittel wie passive und aktive Sensoren einen starken Einzug in die Praxis gehalten haben respektive zur alltäglichen Arbeit dazu gehören werden. Roboter und autonome Systeme finden sich dann in den ersten Betrieben bereits im Einsatz. Die Prognosen gehen dahin, dass sich der klassische Landwirt mehr auf die Beurteilung von Prozessen konzentrieren wird, als diese durchzuführen. Aufgrund der höheren Kapitaldienste und der steigenden gesetzlichen Auflagen, werden die Betriebe wachsen und kleinere Familienbetriebe nur durch Kooperationen am Markt bestehen können. WUNSCH UND WIRKLICHKEIT Was den aktuellen Stand der Verfügbarkeit der neusten Mobilfunknetze wie LTE oder gar 5G betrifft, sind die Stimmen von Seiten der Fachleute eher kritisch und zeugen von wenig Zufriedenheit: Die flächendeckende Verfügbarkeit von 5G im ländlichen Raum wird nach Experteneinschätzung noch längere Zeit ein Wunschtraum bleiben. Teilweise herrsche heute „0G“, also das völlige Fehlen von Netzabdeckung. Vor diesem Hintergrund steht die Forderung an die politisch Verantwortlichen im Raum, die flächendeckende Verfügbarkeit von zumindest LTE sicherzustellen. Viele moderne, effiziente und nachhaltige Arbeitsprozesse sowie die GPS-basierte Dokumentation von Daten setzen Konnektivität voraus. Daher sollte es, so die Experten-Forderung, im Interesse aller sein, diese wichtige Voraussetzung für eine zeitgemäße und umweltfreundliche Landwirtschaft voranzutreiben. Verantwortliche Branchenverbände und Institutionen fordern von der Politik gar einen „Masterplan“ zur flächendeckenden Internetversorgung auf Basis von Glasfaserund 5G-Mobilfunktechnologie. ZWEIFELHAFTE KOMPROMISSE Auch wenn die Abdeckung mit LTE heute bei den führenden Mobilfunknetzbetreibern bei rund 98 Prozent liegt, sind gerade viele Agrarflächen bzw. der ländliche Raum allgemein noch außen vor. Und selbst bei Vorhandensein von LTE ist damit nicht gesagt, dass die bereitgestellte Bandbreite auch für die Nutzung der modernen Technologien rund um das Smart Farming auch ausreicht. 5G bietet hier, wie schon angedeutet, ganz andere Voraussetzungen hinsichtlich Reaktionszeit und Transferrate. Allerdings ist der Ausbau von 5G erst gestartet und steckt noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen. Zwar deckte die Deutsche Telekom 02 56 O+P Fluidtechnik 2021/03 www.oup-fluidtechnik.de

DIGITALISIERUNG Mitte 2020 bereits rund 50 Prozent der deutschen Bevölkerung ab. Dies allerdings nur durch den Umweg des Dynamic Spectrum Sharings (DSS). Hierbei wird 5G in Kombination mit LTE auf 2,1 GHz Frequenz genutzt. Ohne LTE als Anker geht es dabei nicht. Übertragungsraten und Verzögerung fallen hier deutlich schlechter aus, als es bei „echtem“ 5G der Fall wäre. Somit sind die Vorteile geringer, zumal viele Bereiche noch nicht abgedeckt sind. Vor allem werden erstmal stärker besiedelte Flächen mit „Hochleistungs 5G“ versorgt. Also bleibt auch hier die (Land-)Wirtschaft erst einmal noch außen vor. HEMMNISSE MÜSSEN ÜBERWUNDEN WERDEN Was die Anforderungen der Landwirte selbst betrifft, ist die Unzufriedenheit mit der Internetversorgung gewachsen. Angesichts der rasanten Entwicklungen in der Sensortechnik und bei der Künstlichen Intelligenz (KI) zeichnen sich vielfältige Use Cases ab, die eine flächendeckende 5G-Versorgung voraussetzen. Dafür müssten aber bereits heute die politischen Entscheidungen getroffen werden. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum umfassenden Smart Farming sind die hohen Kosten. Investitionen in Digitalisierungstechnik können sich zwar langfristig durch weniger Arbeits- & Materialaufwand und damit weniger Kosten und gesteigerten Erträgen rentieren. Allerdings müssen erst einmal die finanziellen Mittel aufgebracht werden, um solche Investition zu stemmen. Denn neue landwirtschaftliche Maschinen kosten gerne fünf- oder gar sechsstellige Beträge. Nicht leicht also, vor allem für kleineren Betriebe. Weiteren Handlungsbedarf besteht, laut der landwirtschaftlichen Interessenvertreter, auch bei der Gewährleistung eines kostenfreien, vollständigen, zeitnahen Zugangs zu Open Data. Maßgeblich seien hier einheitliche, maschinenlesbare und praxistaugliche Datenformaten nach gängigen interoperablen Standards und zwar über ein dienstebasiertes Datenportal. Auch die Nutzbarmachung der Daten des Satellitensystems Copernikus sei ein wichtiger Schritt auf dem weiteren Weg der Digitalisierung der Landwirtschaft. AUSBLICK UND FAZIT Das Smart Farming kann unter anderem durch die Mithilfe von 5G die Landwirtschaft mehr oder weniger revolutionieren. Der Arbeitsaufwand kann hierdurch sinken, der Ertrag steigen. Allerdings ist noch ein gutes Stück Weg zu gehen, bis dies in vollkommener Form auch Realität im Alltag sein wird. Nicht nur die Netzbetreiber sind gefragt, den neuen Mobilfunkstandard möglichst schnell in die Fläche und damit auch auf das Land zu bringen. Ebenso die landwirtschaftlichen Betriebe stehen vor Herausforderungen. Dies gilt nicht nur für die Investitionen, die moderne Technik nun einmal mit sich führt. Sondern auch beim Umdenken. Denn noch haben sich längst nicht alle Betriebe modernen Technologien so weit geöffnet, wie es sein könnte bzw. sollte. Bilder: Aufmacher und 01: Scharfsinn – stock.adobe.com, 02: Panuwat – stock.adobe.com, Grafik: 5G-Anbieter.info www.5g-anbieter.info 01 Mit der Hilfe von 5G lassen sich Drohnen in schwer zugänglichen Anbauflächen gewinnbringend einsetzen 02 Durch die Überwachung per Kameras und Sensoren sowie die Datenübertragung per 5G lässt sich mithilfe von Apps die Gesundheit von Nutztieren und ihre Produktivität nachvollziehen 03 Geschwindigkeit von 5G im Vergleich zu anderen Mobilfunkstandards www.oup-fluidtechnik.de O+P Fluidtechnik 2021/03 57

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