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O+P Fluidtechnik 4/2020

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O+P Fluidtechnik 4/2020

SCHLAUCHLEITUNGEN

SCHLAUCHLEITUNGEN HYDRAULIK-SCHLAUCHLEITUNGEN: FACHWISSEN VERSUS LEICHTFERTIGKEIT PRODUKTE UND ANWENDUNGEN Hydraulik-Schlauchleitungen: für die Einen ein schwarzes Stück Gummi mit zwei Anschlüssen, das einfach nur „halten muss“ (Originalzitat eines Anwenders, der seine Schlauchleitungen übermäßig starker Belastung bis hin zum Defekt ausgesetzt hatte) für die Anderen ein sicherheitsrelevantes und prüfpflichtiges Bauteil. Doch was ist nun richtig? Natürlich müssen die eingesetzten Hydraulik-Schlauchleitungen „halten“, dies tun sie auch, wenn sie korrekt, der jeweiligen Applikation entsprechend, ausgewählt und verbaut wurden. Denn wie so oft stecken die meisten Fehlerquellen nicht unbedingt zwingend in der Qualität der Produkte (den Einsatz von Markenprodukten und geprüften Systemen vorausgesetzt) sondern erfahrungsgemäß vorrangig in der Auswahl, dem Einbau oder der Verlegung der Produkte. Autor: Andreas Laubsch, Key Account Manager Seminarleitung, Rauh Hydraulik, Trosdorf STÜCKLISTEN AUF STAND DER TECHNIK ÜBERPRÜFEN Ein häufiger Grund für den Ausfall einer Hydraulik-Schlauchleitung ist die Übernahme von vorhandenen Schlauchleitungen in die Stücklisten der neuen Maschinen bzw. Anlagen. Die Betriebsbe dingungen haben sich geändert, der Platz ist weniger geworden, höhere Drücke, mehr Leistung. Aber eingesetzt werden Schlauchleitungen, die schon im System hinterlegt sind, ohne zu prüfen, ob z. B. der Biegeradius für die neue Applikation passend ist, ob der maximale Betriebsdruck der Leitung für die zu erwartenden Druckspitzen ausreichend bemessen ist oder ob aufgrund des geringeren Bauraumes Scheuerstellen entstanden sind, die die herkömmliche Oberdecke beschädigen können. Oder werden bei der neuen Maschine spezielle Medien, wie etwa schwer entflammbare oder umweltschonende Hydraulik-Flüssigkeiten, eingesetzt? Ist das bisher verwendete Gummimaterial dagegen beständig? Gibt es Freigaben der Schlauchhersteller für diese Flüssigkeiten? Erfahrungsgemäß müssen neukonstruierte Maschinen kompakter und leichter sein, gleichzeitig jedoch mehr Leistung erzielen. Drücke und Durchflussmengen werden erhöht, aber oft die (jetzt zu geringen) Leitungsquerschnitte aus der vorhandenen Anlage übernommen. Und in diesem Zusammenhang auch die verwendeten Hydraulik- Schlauchleitungen. Wenn überhaupt werden die Längen angepasst, eine Umstellung auf modernere Schlauchqualitäten bleibt aus. Dabei gibt es eine Vielzahl von Optimierungsoptionen: aus 2 SN könnte z. B. 2 SC werden, was eine wesentliche Verbesserung der 40 O+P Fluidtechnik 2020/04 www.oup-fluidtechnik.de

SCHLAUCHLEITUNGEN Biegeradien und des Außendurchmessers der Schlauchleitung zur Folge hätte. Oder sogar 2 SC-P bzw. 2SN-K… um nur einige herstellerbezogene Bezeichnungen zu nennen. Dann käme zu den soeben erwähnten Verbesserungen noch eine höhere Druckbelastbarkeit hinzu. Und wenn die Leitungen aneinander scheuern, könnte sogar nochmal gesteigert werden: beide Ausführungen gibt es dann zusätzlich noch mit einem speziellen Kunststoffüberzug, der ein Maximum an Abriebfestigkeit erzeugt. SCHLAUCHNENNWEITE UNBEDINGT BEACHTEN Aber gehen wir nochmal zum Thema Leitungsquerschnitte. Eine kleine Erhöhung der Durchflussmenge könnte bereits eine gefährliche Steigerung der Fliessgeschwindigkeit zur Folge haben. Es gab sogar schon Fälle, bei denen Übersehen wurde, dass die Fördermenge der Pumpe noch mit der Drehzahl des Antriebsmotors multipliziert werden muss. So können aus vermeintlichen 40 Liter/min ganz schnell knapp 60 Liter/min (Förderleistung Pumpe pro Umdrehung 40 ccm, Drehzahl E-Motor 1450 U/min) werden. Und schon wird aus der linearen eine turbulente Strömung, was mindestens eine Temperaturerhöhung des Mediums zur Folge hat. Wenn nicht sogar eine Beschädigung der Innenseele des Schlauches aufgrund von Kavitation. Mithilfe eines Durchfluss-Nomogramms kann der Konstrukteur die korrekte Schlauchnennweite (DN) ermitteln. NORMEN WEISEN DEN WEG Wenn nun alle diese Parameter berücksichtigt und die Schlauchqualitäten an die neuen Betriebsbedingungen angepasst sind, muss der Maschinenhersteller nichts weiter beachten? Weit gefehlt, denn es gibt noch weitere Anforderungen, die dieser erfüllen muss, beispielsweise Sicherheitsfaktoren. Hinweise dazu erhält der Hersteller z. B. in der DGUV-Regel 113-020 oder der DIN EN ISO 4413. Die zwei häufigsten Maßnahmen sind Schutz gegen Flüssigkeitsstrahlen bei Leitungsbruch oder Leckage und Vermeidung von Peitschen bei Abriss einer Leitung. So steht z. B. in der DGUV-Regel 113-020 zum Thema Schutz gegen Flüssigkeitsstrahlen: „Wenn der Ausfall einer Hydraulik- Schlauchleitung eine Gefährdung durch einen Flüssigkeitsstrahl hervorrufen kann und eine feste Schutzabdeckung nicht möglich POINTIERT SCHLAUCHLEITUNG MÜSSEN PASSGENAU SEIN KORREKTE SCHLAUCHWEITE MIT DURCHFLUSS-NOMOGRAMM ERMITTELN BERSTSCHUTZSCHLAUCH GEGEN FLÜSSIGKEITSSTRAHL EINSETZEN FANGSICHERUNG RICHTIG DIMENSIONIEREN ist, müssen andere Schutzmaßnahmen ergriffen werden (z. B. Spritzschutzschlauch). Siehe dazu auch DIN/EN/ISO 4413:2011-04 „Fluidtechnik–Allgemeine Regeln und sicherheitstechnische Anforderungen an Hydraulikanlagen und deren Bauteile“/5.4.6.5.3.2 „Schutz vor Ausfall“ − Zitat Ende. Dieser „Spritzschutzschlauch“, im Fachjargon auch Berstschutzschlauch genannt, muss allerdings einige Anforderungen erfüllen, so z. B. muss dieser den gefährlichen Strahl ablenken können, der im Falle eines sog. „Pinhole“ auftreten kann. Solch ein feiner aber mit hohem Druck austretender Strahl kann in die Haut eindringen und sehr schlimme Verletzungen erzeugen. Bei richtiger Auslegung und Montage des Berstschutzschlauches wird diese Gefahr minimiert. Dieser dient ebenfalls, wie der Name schon sagt, als Schutz gegen unkontrollierten Ölaustritt bei einem eventuellen Schlauchplatzer. Bei ausreichender Dimensionierung des Schutzschlauches wird die Energie des austretenden Mediums abgefangen und damit der auftretende Schaden reduziert. Gerne wird dieser Schutzschlauch auch im Motorraum von Baumaschinen verwendet, um zu vermeiden, dass Öl unkontrolliert 01 Typischer Fall von Notreparatur aus Leichtsinn oder Unwissenheit 02 Der Gummi der Schlauchleitung ist komplett zerfressen, vermutlich aufgrund zu später oder nie durchgeführter Prüfungen sowie zu lange Wechselintervalle 01 02 www.oup-fluidtechnik.de O+P Fluidtechnik 2020/04 41

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