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O+P Fluidtechnik 5/2020

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O+P Fluidtechnik 5/2020

KOMMENTAR MENSCHEN UND

KOMMENTAR MENSCHEN UND MÄRKTE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DEN LEHR- UND FORSCHUNGSBETRIEB IM MASCHINEBAU AUFGRUND VON SARS-COV-2 Die vergangenen und aktuellen Wochen stellen für uns alle eine große Herausforderung dar. Wir sind mitten in einer der größten Krisen unserer Zeit, und das alles wegen eines kleinen Virus mit dem etwas sperrigen Namen SARS-CoV-2. O+P-Herausgeberin Univ.-Prof. Dr.-Ing. Katharina Schmitz beleuchtet die Situation in Bezug auf den Lehr- und Forschungsbetrieb. 10 O+P Fluidtechnik 2020/05 www.oup-fluidtechnik.de

KOMMENTAR Die Konsequenzen betreffen alle Bereiche unserer Gesellschaft, die Politik ist genauso gefragt wie die Wirtschaft und die Arbeitgeber. Die aktuelle Situation betrifft zudem jeden persönlich, durch Beschränkungen der eigenen Bewegungs- und Kontaktfreiheit, durch große wirtschaftliche Unsicherheiten für Unternehmer, Arbeitnehmer und Selbstständige, durch Sorgen vor gesundheitlicher Beeinträchtigung, durch Ängste vor einer ungewissen Zukunft für Schüler und Studierende. Insbesondere der letzte Aspekt betrifft den Lehr- und Forschungsbetrieb an einer technischen Universität und einem Forschungsinstitut wie dem ifas. Die Forschungslandschaft im technischen Bereich ist durch ihre mittelfristig laufenden Projekte von zwei bis drei Jahren aktuell weniger betroffen. Allerdings könnte sich die Krise später negativ bemerkbar machen, wenn Anschluss- oder Neuprojekte im Bereich der Fluidtechnik nicht oder nur unzureichend gefördert werden. Was uns als Lehrund Forschungseinrichtung aktuell deutlich mehr Sorgen bereitet sind die Probleme und Zukunftssorgen der Studierenden und jungen Mitarbeiter. UNSICHERE ZEITEN FÜR SCHÜLER UND STUDENTEN Hierzu muss man wissen, dass durch einen ministeriellen Erlass von Sonntag, den 15. März, alle schriftlichen Prüfungen mit sofortiger Wirkung gestoppt wurden - und das mitten in der Klausurphase des Wintersemester 2019/20, die eigentlich nur noch bis zum 31. März angesetzt war. Viele Studierenden können nun Studienleistungen nicht erbringen und nachweisen, die für Visa, Bafög, Abschluss des Studiums etc. dringend benötigt werden. Die Klausuren wurden direkt für die Monate Mai und Juni geplant, aber auch hier wissen wir bereits, dass die neuen Termine nicht in Gänze gehalten werden können. Dieser häufige Wechsel in den Entscheidungen führt zusätzlich zu einer Vergrößerung der Unsicherheit der jungen Menschen. Das gleiche gilt nicht nur für unsere Studierenden, sondern auch für die Schülerinnen und Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Wichtige Informationsmöglichkeiten wie Studieninformationstage, Vorstellung von Masterstudiengängen etc. mussten natürlich abgesagt werden und werden aufgrund der nicht absehbaren Situation für die aktuell anstehenden Zukunftsentscheidungen junger Menschen nicht in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Für baldige Absolventen kommt auch noch die wirtschaftliche Unsicherheit der Jobsuche verstärkend hinzu. Wie sich diese Phase großer Unsicherheit langfristig auf eine ganze Generation junger Menschen auswirkt, können wir aktuell noch gar nicht fassen. DIGITALE LEHRE UND ERFINDERGEIST Wir Lehrenden versuchen diese Unsicherheiten bestmöglich abzufangen. Unser Beitrag zur Bewältigung der Krise ist es aufzuzeigen, wie digitale Angebote sinnvoll eingebracht und zielführend umgesetzt werden können. Die Lehre findet an der RWTH Aachen größtenteils seit dem offiziellen Beginn der Vorlesungszeit am 06. April digital statt, mündliche Prüfungen und Besprechungen werden durch Webkonferenzen abgehalten und auch Beratungsangebote sind vollständig in Webkonferenzen oder Telefonate verschoben worden. Dies ersetzt nicht das persönliche Gespräch, mildert aber die Konsequenzen bestmöglich ab. Die Krise zeigt zudem den Erfindergeist an Universitäten, ihren Mitarbeitenden, sowie den exzellent ausgebildeten Ingenieuren in unserem Land. Viele der weltweit eingesetzten Textilmaschinen, Maschinen zur Herstellung von Atemschutzmasken, Respiratoren, Herz-Lungen-Maschinen usw. werden von deutschen Ingenieur*innen entwickelt und nicht selten in Deutschland gebaut. Beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der mittelständische Unternehmen aktuell ihre Produktion hochfahren und ganze Produktionslinien zur Herstellung von lebensnotwendiger Schutzausrüstung umstellen - eine besondere Fähigkeit, die den deutschen Maschinenbau seit jeher auszeichnet. HOME OFFICE KANN ECHTE ALTERNATIVE SEIN Fachlich spannend ist es auch an den technischen Universitäten. So wird unter anderem in einer neuen Forschungskooperation an der RWTH Aachen an der auch das ifas beteiligt ist, in einer kurzfristigen Allianz ein einfaches, selbstbaubares Beatmungsgerät für Dritte-Welt-Länder entwickelt. Die „Digital Natives“ im universitären Bereich haben es schnell verstanden, die kurzen Gespräche auf dem Flur und an der Kaffeemaschine in den digitalen Raum zu verschieben und wir merken, dass man einen ähnlich guten und intensiven Gedankenaustausch mit einem Kaffee aus dem Home- Office auch vor dem Bildschirm haben kann. Damit kann man der aktuellen Situation auch etwas Positives abgewinnen. Plötzlich erkennt die breite Öffentlichkeit die Vorteile der Digitalisierung. So ist es für Deutschland eine gute Gelegenheit die digitale Infrastruktur zügiger auszubauen und uns alle mit ihren Möglichkeiten und Angeboten schnell vertraut zu machen. Wir stellen fest, dass viele Besprechungen und Meetings auch im digitalen Raum als Webkonferenzen stattfinden können, machen große Fortschritte in der digitalen Lehre und stellen fest, dass Homeoffice eine durchaus mögliche Form des Arbeitens ist, wenn auch nicht immer die wünschenswerteste. Zusätzlich wissen wir nun auch in unseren Bereichen, wo es bei der Digitalisierung von Arbeitsprozessen und Abläufen noch hakt. Zum Beispiel aufgrund von fehlenden technischen Lösungen oder aufgrund von nicht abgesicherten rechtlichen Rahmenbedingungen. Hier werden wir nach der Krise besser wissen, wo noch Handlungsbedarf besteht. WAS KÖNNEN WIR LERNEN Wir sollten die aktuelle Krise auch als Chance verstehen, um uns darüber klar zu werden, was uns als Individuum und Gesellschaft langfristig wirklich wichtig ist. Wir stellen fest, wie schwer uns Kontaktbeschränkungen zu anderen Menschen fallen und wie wichtig uns das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist. Gleichzeitig merken wir aber auch, dass viele Reisen, insbesondere Dienstreisen größtenteils durch digitale Kommunikations- und Präsentationstechnologien ersetzt werden können. Vielleicht schaffen wir es, die bereits gewonnenen und noch zu gewinnenden Erfahrungen in unser Handeln nach der Krise umzusetzen und damit als Gesellschaft einen großen Schritt vorwärts zu bringen – hin zu einer vernetzten und ressourcenschonenderen, solidarischen Welt. www.ifas.rwth-aachen.de Kommentar von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Katharina Schmitz www.oup-fluidtechnik.de O+P Fluidtechnik 2020/05 11

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