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O+P Fluidtechnik 5/2021

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O+P Fluidtechnik 5/2021

DATENMANAGEMENT

DATENMANAGEMENT DATACONNECT: HERSTELLERÜBERGREIFENDE DATENNUTZUNG FÜR LANDWIRTE MOBILE MASCHINEN Daten gelten als die Währung der Zukunft. Warum also sollten Unternehmen Schnittstellen zu ihren Wettbewerbern entwickeln? Ein Beispiel aus der immer digitaler werdenden Landwirtschaft zeigt, dass eine transparente und datenschutzkonforme Kooperation sowohl für die beteiligten Firmen als auch für deren Kunden als Datenerzeuger einen enormen Mehrwert bieten kann. Daten sind für viele Unternehmen ein entscheidendes Kapital. Für den Erfolg ist jedoch nicht nur die Menge an vorhandenen Daten wichtig. Anbieter und Kunden müssen in der Lage sein, die Daten vollständig zu nutzen und strategisch clever miteinander zu vernetzen. Das Szenario: Die meisten Maschinenparks in landwirtschaftlichen Unternehmen sind nicht nur von einem Hersteller – das erschwert es dem Betriebsleiter enorm, die Maschinen mit ihren oft herstellereigenen IT-Systemen einheitlich zu überwachen, oder Datensätze zwischen dem Hof-PC oder dem Smartphone barrierefrei auszutauschen. Man kann also gut verstehen, welch immensen Nutzen es für alle Beteiligten hat, wenn konkurrierende Unternehmen an für den Landwirt oder Lohnunternehmer entscheidender Stelle zusammenarbeiten, um einen Mehrwert für alle zu schaffen und Datenbarrieren abzubauen. In der Landwirtschaft gewinnt die Nutzung von Daten seit Jahren stetig an Bedeutung – als Schlüssel für die sogenannte Präzisionslandwirtschaft – also die möglichst feine Abstimmung jedes Saat- oder Düngevorgangs auf einem in Teilflächen unterteilten Acker. John Deere und Claas, zwei der Schwergewichte im Markt für Landmaschinen, haben gemeinsam mit 365FarmNet unter dem Namen DataConnect eine Lösung entwickelt, die Landwirten einen reibungslosen Daten- Autor: Peter Koch, Diplom-Agraringenieur und Manger Product Marketing, Bereich Precision Farming, John Deere 48 O+P Fluidtechnik 2021/05 www.oup-fluidtechnik.de

DATENMANAGEMENT austausch zwischen Maschinen unterschiedlicher Hersteller ermöglicht. Das wichtige dabei: Die Daten gehören den Landwirten und sie können entscheiden, welche davon geteilt werden. SOFORTNUTZEN FÜR DEN ANWENDER OHNE ZUSATZKOSTEN Schlüsselelement des Systems ist eine vereinheitlichte Schnittstelle, über die Daten übertragen und abgerufen werden. Das macht es für Endnutzer sehr leicht und günstig einzurichten: Es sind keine weiteren Hard- oder Softwarekomponenten notwendig, und das System ist zudem voll rückwärtskompatibel: Selbst eine gut zehn Jahre alte Maschine kann – sofern sie mit Telemetrie ausgerüstet ist – über das jeweilige Firmenportal mit Data- Connect verbunden werden. Für die Verwaltung und Steuerung der Daten kann der Endnutzer zwischen den Benutzeroberflächen von John Deere, Claas oder 365FarmNet frei wählen. Das System ist als Cloud-to-Cloud-Lösung gestaltet, sodass die Daten der Maschinen des Herstellers zwar zunächst im jeweils Hersteller-eigenen Portal beheimatet sind, von dort jedoch unter Einwilligung des Landwirts bestimmte Datenattribute – wie etwa Maschinenstandort, Standorthistorie, Kraftstofffüllstand und weitere – mit der jeweils anderen Cloud-Lösung geteilt werden können. Der Landwirt als Endnutzer behält dabei die volle Datenkontrolle, denn er sieht genau, welche Daten bei dieser Verbindung ausgetauscht werden. Ferner kann er bestimmen, welche Maschinen die Daten mit dem jeweils anderen Portal austauschen sollen. Diese Verbindung kann der Landwirt auch jederzeit wieder trennen, wenn er beispielsweise eine Maschine aus dem Fuhrpark ersetzen will. Dadurch wird das automatische Teilen der Daten sicher und effizient. NICHT NUR PRAKTISCHE, SONDERN AUCH STRATEGISCHE PLANUNG NÖTIG Hersteller und Plattformanbieter müssen bei einer solchen Kooperation zur gemeinsamen Datennutzung zwei Kernherausforderungen bewältigen. Zum einen muss auf einer technischen Ebene entschieden werden, welche Daten überhaupt geteilt werden sollen, und wie das Sharing effektiv, sicher und transparent umgesetzt werden kann. Im Falle von DataConnect sind das bislang die aktuelle und bisherige Position, Geschwindigkeit, Tankfüllstand oder der Status der Maschine. Zum anderen stellt sich die Frage, in welcher Form die Kooperation umgesetzt werden soll. Diese strategische Überlegung geht über Technologie weit hinaus und ist letztlich mitentscheidend für den Erfolg derartiger Kooperationen. Eine zentrale Rolle stellen dabei die Schnittstellen zwischen den Systemen dar. Data- Connect harmonisiert und vereinheitlicht die Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Cloud-Lösungen der einzelnen Hersteller. Das System ist daher nicht nur herstellerübergreifend, sondern auch industrieoffen. Damit sind die technischen Voraussetzungen gegeben, damit zukünftig auch weitere Hersteller ihre Steuerungsplattformen an das geteilte System anschließen. Im Fall von DataConnect ist der Teil der Daten, der geteilt wird, noch überschaubar. Die Maschinen tauschen technische Informationen aus – jedoch noch keine agronomischen Daten, wie beispielsweise Düngekarten oder Informationen zur Bodenbeschaffenheit, die für Präzisionslandwirtschaft von enormer Bedeutung sind. Künftig sollen aber auch diese ausgetauscht werden. Die offene Architektur des Systems vereinfacht derartige Erweiterungen enorm und sorgt dafür, dass die Plattform sich organisch entwickeln kann und alle Beteiligten sie gemeinsam vorantreiben können. Aus diesem Grund sollten Unternehmen aller Branchen, in denen eine derartige Kooperation des Datenaustauschs sinnvoll sein könnte, nicht vor dem Umfang der Aufgabe zurückschrecken. So komplex und riesig die Datenmengen sind, so groß ist auch das Potential dieses disruptiven Ansatzes. Wie das Beispiel DataConnect zeigt, muss die Verknüpfung der Daten nicht direkt allumfassend geschehen. Auch der Austausch einer kleinen Auswahl an Daten bietet bereits einen großen Mehrwert für Anwender – und überdies den Kooperationspartnern die Möglichkeit, erste strategische Erfahrungen zu machen. So behalten diese stets die Kontrolle über den Grad der Kooperation und können die Zusammenarbeit Schritt für Schritt ausbauen, wo dies sinnvoll ist. DATACONNECT ERMÖGLICHT PRÄZISIONSLANDWIRTSCHAFT n Mit dem Cloud-basierten System DataConnect können Landwirte ihre Maschinen von verschiedenen Herstellern in einer einzigen Steuerplattform überwachen. Sie haben dabei die Wahl, ob sie die Nutzeroberfläche von John Deere, CLAAS oder 365FarmNet nutzen wollen, und können diese Entscheidung jederzeit ändern. n Moderne Präzisionslandwirtschaft folgt dem Prinzip, möglichst jedes Korn zum genau richtigen Zeitpunkt in den richtigen Quadratzentimeter Boden zu bringen und die exakt benötigte Menge Dünger oder Pflanzenschutzmittel darauf auszubringen. Der dafür nötige Datenaustausch ist aufgrund der gemischten Fuhrparks bislang sehr schwierig. PLATTFORMÖKONOMIE: WETTBEWERB INNER- HALB DER KOOPERATION Damit diese offene Struktur des Cloud-to-Cloud-Ansatzes ihre vollen Möglichkeiten ausschöpft, ist es entscheidend, dass die kooperierenden Unternehmen weiter im Wettbewerb miteinander stehen. Ein wichtiger Faktor dafür ist, dass Nutzer frei entscheiden können, welches der Partnerunternehmen die beste Benutzeroberfläche bereitstellt, und diese jederzeit wechseln können. Während die Partner also zwar einen Teil der Daten teilen, stehen sie weiterhin im Wettbewerb, aus diesen Daten das meiste zu machen und den größten Mehrwert für den Endnutzer zu schaffen. So treiben sich die Partner trotz Kooperation mit wechselseitigen Innovationen dazu an, das Angebot stetig zu verbessern. Bilder: John Deere www.deere.de www.oup-fluidtechnik.de O+P Fluidtechnik 2021/05 49

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