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O+P Fluidtechnik 5/2026

O+P Fluidtechnik 5/2026

VDMA DIGITALISIERUNG DER

VDMA DIGITALISIERUNG DER SPRUNG IN DIE DATENWIRTSCHAFT MENSCHEN UND MÄRKTE Mit dem Fluid-X-Symposium und der Abschlussveranstaltung Ende Juni 2026 im Frankfurter VDMA-Haus hat das Verbundprojekt Fluid 4.0 seinen Abschluss gefeiert. Die nächste Etappe auf dem Weg zur datengetriebenen Wirtschaft wurde auch schon deutlich: Fluid-AI. Rund zweieinhalb Jahre nach dem Start bündelte die Abschlussveranstaltung in Frankfurt Ergebnisse, Erfahrungen und Ausblicke des Projekts Fluid 4.0. Das Projekt hatte ein Volumen von 13,4 Millionen Euro, wurde vom BMWK gefördert und lief vom 1. Januar 2024 bis zum 31. Juli 2026. Fluid 4.0 ist Teil der Manufacturing-X-Familie, bei der der VDMA aktiver Partner ist. Inhaltlich verfolgte das Projekt ein klares Ziel: Ein Industriekonsortium treibt die Stärkung und Weiterentwicklung der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) als standardisierte Umsetzung des Zwillings in einem branchenübergreifenden Datenraum voran und etabliert damit einen herstellerübergreifenden, offenen Standard für die Fluidtechnik. Fluid 4.0 brachte dabei erstmals Fluidtechnikhersteller, Maschinen- und Anlagenbauer, Anwender und Dienstleister zusammen, um in vier Use Cases Lösungen für unternehmens übergreifende Kooperationen in einem digitalen Daten raum zu entwickeln und ihren Mehrwert anhand von Demonstratoren zu belegen. Konkret ging es um die Steuerungsentwicklung und eine durch digitale Daten beschleunigte Inbetriebnahme, ein Energiemonitoring für mehr Transparenz bei der Optimierung des Energieverbrauchs, die CO₂-Bilanzierung in der Nutzungsphase sowie Ansätze in der Kreislaufwirtschaft. EIN MEILENSTEIN FÜR DIE BRANCHE Die Eröffnung übernahmen Dr. Steffen Haack, CTO von Bosch Rexroth und Vorsitzender des VDMA-Fachverbands Fluidtechnik, sowie Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer und Geschäftsführer des Fachverbands Fluidtechnik. Haack ordnete den Tag als Meilenstein für die Branche ein - nicht nur in Deutschland, sondern darüber hinaus. Er zeichnete den Weg von den ersten Digitalisierungsimpulsen um 2011 über die Gründung des AK Digitalisierung im Jahr 2016, das HydrauliX-Format 2019 bis zu ersten digitalen Demonstratoren ab 2022 nach. Kernbotschaft der Eröffnung: Der Fachverband müsse künftig nicht nur Hardware, sondern auch Software und Daten denken - und das erfordere Zusammenarbeit. Ohne die Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ( BMWE), damals noch unter anderer Regierung, wäre Fluid 4.0 nicht zustande gekommen; ein ausdrücklicher Dank ging dabei an Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referats Digitalisierung und Industrie 4.0 im BMWE. Bemerkenswert war laut Haack die inhaltliche Akzentverschiebung: Habe zu Projektbeginn noch das Thema Nachhaltigkeit im Vordergrund gestanden, rücke heute die Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus. Sein Fazit verdichtete er in zwei Merksätzen: „Content ist King“ und „Scale or die“. Daten müssen also nicht nur erzeugt, sondern in die Fläche gebracht werden. Hartmut Rauen bekräftigte die führende Rolle der Fluidtechnik und des gesamen VDMA. Mit der AAS, der Verwaltungsschale und OPC UA sei man bei der Interoperabilität vorne, die Fluidtechnik sei hier die Speerspitze. Rauen sieht positiv in die Zukunft: „Die Reise wird weitergehen.“ 10 O+P Fluidtechnik 2026/05 www.oup-fluidtechnik.de

VDMA 02 Hartmut Rauen, stellv. Geschäftsführer des VDMA, sieht die Fluidtechnik als Speerspitze der Entwicklung 01 Benjamin Beck, CSO des Construction Future Lab (r.), erklärt einen Demonstrator zur Inbetriebnahme 03 Steffen Haack, CTO von Bosch Rexroth und Vorsitzender des Fachverbands Fluidtechnik, will Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus rücken KI IN DER FLUIDTECHNIK: KONKRETE ANSÄTZE Den ersten Fachvortrag hielt Bastian Brinkmann, Head of Corporate Future Lab der Uhlmann Group und selbst Akteur und Nutzer im Manufacturing-X-Umfeld. Seine These: Digitale Lösungen skalieren erst im Ökosystem. Man spreche zwar viel von „der Lösung“, doch bislang sei die Solution-Strategie noch nicht so erfolgreich wie erhofft. Der Service sei der Bereich, in dem sich Daten zuerst nutzen ließen - doch fehlten hierfür oft passende Daten und Angebote der Komponentenhersteller. Plattformmodelle nach Art von Booking.com funktionierten in der Industrie nicht; nötig sei vielmehr eine digitale Industrieplattform, in die sich alle gleichberechtigt einbringen könnten. Ein tragfähiges Datenökosystem müsse vier Bedingungen erfüllen: Es müsse skalieren, auf interoperablen Standards beruhen, kollaborativ gestaltet sein und den Business Value in den Mittelpunkt stellen. Ernst Stöckl-Pukall mahnte an, den nächsten Schritt konsequent zu gehen. Dafür brauche es das C-Level. Immer wieder müsse man auf die Geschäftsführungen zugehen. Als Erfolgsvorbild nannte er Catena-X: Dort habe man sehr früh einen Verein gegründet, der sich um alles kümmere, und auf standardisierte Use Cases gesetzt. Stöckl-Pukall wurde auch grundsätzlich: Die Idee „Ökosystem“ sei ein deutsches Thema - wenn man es hier nicht umsetze, mache es niemand. Prof. Olivier Reinertz vom Institut für fluidtechnische Antriebe und Systeme (ifas) der RWTH Aachen zeigte, wo Künstliche Intelligenz in der Fluidtechnik heute schon greift. Ein Schlüssel thema: Daten für die Verwaltungsschale zugänglich zu machen. Angesichts der enormen Variantenvielfalt bei Pumpen, Ventilen und Co. brauche es eine Art „Wörterbuch“ für Komponenten, das der AAS erheblich helfen würde. Erste Versuche, Handbücher digital einzulesen, seien vielversprechend, kämpften aber noch mit Problemen. Dieses Thema löste im Publikum viele Nachfragen und positive Reaktionen aus. Als weitere Anwendungsfelder nannte Reinertz Regelungsaufgaben, die sich mit KI deutlich schneller lösen lassen. Besonders gut funktioniere die KI-gestützte Zustandsüberwachung, die bereits im Einsatz sei; der hohe Implementierungsaufwand pro Maschine ließe sich künftig über digitale Zwillinge senken, die wiederum von KI profitierten. Den entscheidenden Bogen in die Zukunft spannte Benjamin Beck, CSO des Construction Future Lab. Becks Kernaussage: Die Verwaltungsschale werde zur „Single Source of Truth“ für kollaboratives Engineering; für einen europaweiten Datenhandel sei ein offenes „Fluid Power Europe“-Modell nötig. Sein roter Faden: Fluid 4.0 ist der Enabler für Fluid-AI. Erst der strukturierte, interoperable Datenraum schafft die Grundlage, auf der KI-basierte Wertschöpfung entstehen kann. VON FLUID 4.0 ZU FLUID-AI In einer Podiumsdiskussion unter Moderation von Dr. Christian Geis (VDMA) verdichteten sich die Positionen. Haack warb dafür, das Bewusstsein zu schärfen, dass Fluid-X die Wettbewerbsfähigkeit steigert. Zugleich benannte er die zentralen Hürden Kosten und Geschwindigkeit: KI helfe beim Tempo, doch die Kosten blieben. Stöckl-Pukall setzte darauf, Community aufzubauen: „Groß denken, klein anfangen“, der Rest würde sich ergeben. Der Nachmittag weitete den Blick auf globale Aspekte. Oliver Wack (VDMA Außenwirtschaft) beleuchtete globale Risiken für den Maschinenbau. Dr. Dirk Lumma, Executive VP Innovation & Technology der Körber AG, zeigte, wie durch die intelligente Verknüpfung von Maschinen-, Betriebs- und Unternehmensdaten in einem Data Mesh bzw. Data Lake neue datenbasierte Mehrwerte entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen. Haack skizzierte anschließend das kontrastierende chinesische Vorgehen: China baue auf Plattformen, Industriepolitik und Umsetzungsgeschwindigkeit, während Deutschland auf Standards und Interoperabilität setze. In China schaue man weniger auf die Hydraulik selbst als auf die Performance der Gesamtmaschine und deren kontinuierliche Verbesserung. Sein Fazit: Europa digitalisiere zuerst die Industrie, China die Maschinenflotten. Dr. Reinhard Baumfalk (Emerson Automation Solutions/Aventics) ergänzte die US-Perspektive: Dort stehe Reindustrialisierung im Zentrum, und die klassische Automatisierungspyramide wandle sich zur Sanduhr, in der Software und smarte Komponenten an Bedeutung gewinnen. Die Abschlussveranstaltung von Fluid 4.0 war mehr als ein Rückblick. Sie markierte den Übergang von der aufgebauten Dateninfrastruktur zu deren intelligenter Nutzung. 2026 gilt als Wendepunkt für die industrielle Datenwirtschaft: Geförderte X-Projekte stehen vor dem Abschluss, erprobte Anwendungsszenarien stehen bereit - für Unternehmen gilt es jetzt, aktiv zu werden. Bilder: vfv www.vdma.eu/fluidtechnik www.oup-fluidtechnik.de O+P Fluidtechnik 2026/05 11

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