OPTISCHE SENSORIK SICHERHEIT BEI FRONTANBAUGERÄTEN ZERTIFIZIERTES FUNKBASIERTES VORBAU-KAMERA-MONITORSYSTEM MOBILE MASCHINEN Arbeiten Traktoren mit ausladenden Frontanbaugeräten, kann je nach Einsatzfall ein Einweiser erforderlich sein oder alternativ ein zertifiziertes Vorbau-Kamera-Monitorsystem (VKMS) eingesetzt werden, um den Anforderungen an die Betriebssicherheit zu genügen. Motec hat als erstes Unternehmen ein funkbasiertes VKMS entwickelt und zertifizieren lassen. Wird dieses System eingesetzt, kann auf einen Einweiser verzichtet werden. Peter Becker, Becker Storytelling, Uelversheim An Traktoren werden Frontanbaugeräte für die verschiedensten Zwecke genutzt: Mähwerke, Streuer, Tanks oder einfache Gegengewichte sorgen für mehr Flexibilität auf dem Feld. Kommen diese Frontanbaugeräte zum Einsatz, wird die Sicht des Fahrers jedoch zwangsläufig eingeschränkt. Das ist besonders dann ein Problem, wenn das Fahrzeug in eine Straße einbiegt, bei der die Sicht auf den Querverkehr nicht gegeben ist, etwa weil Büsche oder eine Mauer in der Sichtlinie stehen. Ein weiteres typisches Beispiel für ein schwieriges Manöver mit Frontanbau ist die Ausfahrt durch Hoftore auf öffentliche Straßen. Gerade wenn der Querverkehr hohe Geschwindigkeiten oder lange Bremswege aufweist, kann es schnell zu gefährlichen Situationen kommen - beispielsweise durch E-Bikes, die mit 25 km/h unterwegs sind. Die Straßenverkehrszulassungsordnung sieht für Fälle, bei denen das Vorbaumaß von der Lenkradmitte bis zur Vorderkante des Anbaugeräts mehr als 3,5 m reicht, zwingend einen Einweiser vor (§ 32 StVZO). Insbesondere bei Fahrten von Feld zu Feld kann dies jedoch mühsam sein. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass sich der Einweiser selbst in Gefahr bringt, beispielsweise durch Betreten einer öffentlichen, befahrenen Straße. Vorbau-Kamera-Monitorsysteme sind an dieser Stelle die passende Alternative. Mehrere Kameras sind am Frontanbaugerät befestigt und übertragen Bilder der nicht einsehbaren Areale auf einen Bildschirm in der Fahrerkabine. 36 O+P Fluidtechnik 2026/05 www.oup-fluidtechnik.de
OPTISCHE SENSORIK 01 MD4074A MVRD1100-RX MVRD1100-TX MD4074-AK MC3050B-4-VKMS 01 Anstelle einer konventionellen Kabelverbindung vom Anbaugerät zum Traktor kommen digitale Funkmodule zum Einsatz, die Signale mit einer Bitrate von bis zu 12 Mbit/s übertragen 02 Bei den zertifizierten Kameras handelt es sich um Motec Heavy-Duty-Kameras; die Monitore haben 7 Zoll und bestimmte Varianten sind splitscreenfähig Hierzu muss das Kamerasystem des Frontanbaugeräts lediglich mit den signalführenden Leitungen des Traktors zum Monitor verbunden werden. NEUE REGELUNGEN NACH VKBL. 2025 Damit diese Systeme rechtssicher als Ersatz für Einweiser verwendet werden können, müssen sie nach den Vorgaben des Verkehrsblatts VkBl. 2025 geprüft und zertifiziert sein (zum Beispiel durch die DLG, Dekra, TÜV etc.). Einen Bestandsschutz gibt es lediglich für Fahrzeuge mit ausgerüstetem VKMS, die vor April 2025 gemäß VkBl. 2016 zertifiziert wurden. VKMS, die zwar die DAS ZERTIFIZIERTE VKMS STEIGERT DIE SICHERHEIT UND EFFIZIENZ IM BETRIEB grundsätzliche Zertifizierung gemäß VkBl. 2016 erhalten haben, jedoch noch nicht installiert wurden (vor April 2025), haben keinen Bestandsschutz und müssen gemäß der neuen Richtlinie zertifiziert werden. Im Rahmen des Zertifizierungsprozesses wird einerseits die mechanische Robustheit getestet, also die Widerstandsfähigkeit gegen Stöße, Vibrationen, Staub und Hochdruckreinigung oder auch Medienverträglichkeit gegenüber Düngemitteln, Streusalz und Chemikalien. Andererseits werden die Auflösung des Monitors sowie die Leistungsfähigkeit der Kameras überprüft, gerade bei Gegenlicht (Blooming). Auch die Signalverzögerung ist Teil der Zertifizierung, denn wenige Millisekunden können unter Umständen über einen Unfall oder dessen Vermeidung entscheiden. ERSTES ZERTIFIZIERTES FUNK-VKMS Motec hat sein VKMS weiterentwickelt und unter anderem die ersten beiden vom DLG Test Service zertifizierten Systeme mit Funkübertragung vorgestellt. Anstelle einer konventionellen Kabelverbindung vom Anbaugerät zum Traktor kommen digitale Funkmodule zum Einsatz. Sie arbeiten sehr stromsparend und übertragen Signale mit einer Bitrate von bis zu 12 Mbit/s bei einer minimalen Latenz. Die Funkmodule unterstützen sowohl klassische CVBS-Formate als auch AHD. Durch die Funkstrecke erübrigt sich das Verkabeln von Anbaugerät und Landmaschine. Eine potenzielle Fehlerquelle entfällt somit, und der Landwirt kann schneller vom Hof in Richtung Feld aufbrechen. Sicherheit und Effizienz im Betrieb steigen folglich. ZWEI VARIANTEN VERFÜGBAR Es sind zwei Varianten verfügbar: eine CVBS-Kombination aus Analogkameras und einem 7-Zoll-Display (Motec MD3071A) sowie eine weitere Variante mit einem 7-Zoll-Monitor der Typen MDHD4074/MD4074A, die neben CVBS- auch AHD-Videos darstellen kann. Zusätzlich ist mit den letztgenannten Monitoren auch eine Splitscreen-Ansicht beider Kamerasignale gleichzeitig möglich. Beide Varianten sind auch als kabelgebundene Ausführungen erhältlich. Bei den zertifizierten Kameras handelt es sich um Motec MC3050B-4-VKMS Heavy-Duty-Kameras. Ihr Frontglas weist eine beidseitige interferenzoptische Beschichtung auf, die Reflexionen reduziert. Das streulichtoptimierte Objektiv verhindert das Auftreten von Spiegelungen oder Lens-Flare-Effekten bei Gegenlicht durch Sonne oder die Scheinwerfer des Querverkehrs. Alle VKMS von Motec sind vollständig nach VkBl. 2025, Teil A, geprüft und zertifiziert. Da es sich um sicherheitsrelevante Systeme handelt, ist für den rechtssicheren Einsatz am Fahrzeug zusätzlich eine Einzelabnahme gemäß Teil B erforderlich, die durch eine amtlich anerkannte Prüfstelle (zum Beispiel Dekra, TÜV, DLG) durchgeführt wird. Prüfungen und Genehmigungen von VKMS beziehen sich immer auf definierte Fahrzeuge/Anbaugeräte-Kombinationen. Bilder: Motec 02 www.motec-cameras.com www.oup-fluidtechnik.de O+P Fluidtechnik 2026/05 37
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